#852 - Ethnologin Judith Beyer über Feldforschung in Kirgistan & Myanmar

Shownotes

Zu Gast im Studio: Ethnologin Judith Beyer. Seit Oktober 2020 ist sie Professorin und Leiterin der Arbeitsgruppe Ethnologie mit dem Schwerpunkt politische Anthropologie an der Universität Konstanz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Anthropologie des Rechts, der Anthropologie des Staates, sowie der theoretischen Anthropologie.

Ein Gespräch über Ethnologie und politische Anthropologie, Feldforschung in Kirgisistan und Myanmar, das Nebeneinander von staatlichem Recht, Gewohnheitsrecht und Scharia, autoritäre Entwicklungen und den Militärputsch in Myanmar, die Verfolgung der Rohingya sowie Staatenlosigkeit, Flucht und die Grenzen des Nationalstaats.

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00:00:00: So, eine neue Folge Juna.

00:00:00: Evie hat einen neuen Gast!

00:00:01: Wer bist du?

00:00:02: Hallo ich bin Judith Bayer.

00:00:03: Judith, was machst Du?

00:00:04: Ich bin Ethnologin oder Kultur- und Zitratzialanthropologin nennt man das Pharauch und bin Wissenschaftlerin.

00:00:11: Warum machst Du das?

00:00:12: Weil es total spannend ist weil man ganz viel lernt über die Welt über andere Menschen, über andere Gesellschaften, über sich selbst.

00:00:19: Und was lernt man als Ethnologe über die welt?

00:00:22: Man lernt dass Menschen auf der Welt überall unterschiedlich sind und sich gleichzeitig extrem ähneln Und das ist spannend.

00:00:30: Das heißt, egal wie weit du weggehst, egal, wie weit Du entfernt von Deutschland forscht, gibt's immer wieder ganz viel was Dich irgendwie an Dich selbst und dann das, was Du kennst, erinnerts und ganz viel, was fremd ist, was D Dich halt herausfordert.

00:00:44: Und das finde ich

00:00:44: spannend!

00:00:45: Vielleicht mal kurz zum Anfang, weil was bedeutet Ethnologie?

00:00:48: Ethnologie... Ethnos ist altgriechisch und es ist das Volk also eine korporierte Gruppe.

00:00:54: Und Anthropologie habe ich vorhin gesagt, Anthropos der Mensch und Kultur- und Sozialanthropologie ist im Endeffekt die deutsche Version von Cultural and Social Anthropology.

00:01:05: Da kann man direkt jetzt in die Fachgeschichte gehen, warum wir irgendwie so viele unterschiedliche Namen haben.

00:01:11: Machen wir gleich?

00:01:11: Genau!

00:01:12: Wie bist du da reingeraten?

00:01:15: Ich habe in New York erlebt eine Weile und kam aus einer nordhessischen Kleinstadt davor nur dem, was man Multikulti nennen würde von dieser extremen kulturellen Vielfalt.

00:01:27: In New York?

00:01:28: –In New York und war viel in Second Hand-Buchläden und habe intuitiv ethnologische Bücher gekauft.

00:01:33: da ohne dass ich wusste das es dieses Fach gibt hab die gelesen und dachte das ist total spannend.

00:01:38: dann möchte ich irgendwie mehr davon erfahren.

00:01:39: Wie alt warst du denn?

00:01:40: Da war ich... achtzehn neunzehnt also nach dem Abi quasi mit mich erstmal abgehauen.

00:01:46: Und ähm genau dann habe ich herausgefunden, dass es dieses fach gibt Und bin dann nach Tübingen gegangen.

00:01:52: Also wieder in der Kleinstadt, aber halt an einem anderen Ort in Deutschland habe ich das da studiert und es war sehr gut.

00:01:58: Niemals bereut?

00:02:03: Wie bist du darauf gestoßen dass er sogar nicht nur ein akademischer Studiengang sein kann sondern sogar jetzt quasi dein Lebensweg bestimmt?

00:02:14: War das der

00:02:15: Plan?

00:02:15: Nein überhaupt nicht!

00:02:16: Man steuert da glaube ich rein.

00:02:17: also die wenigsten Das Fachstudieren sehen sich irgendwie als Prof oder so am Ende.

00:02:24: Das ist auch extrem großes Glück, wenn das klappt und bei mir war das immer Schritt für Schritt.

00:02:29: also nichts von dem was ich gemacht habe war geplant sozusagen im Schreibtisch sondern es kamen immer wieder aus Forschungs-Situationen die sich ermöglicht haben und ich glaube es war eine ständige Neugier dass ich Dinge verstehen wollte und zwar genau.

00:02:43: also es gab während der Schulzeit bei mir irgendwie die Idee dass ich Journalistin werden möchte.

00:02:49: Genau, ich hab dann irgendwie für die lokale Tageszeitung über die Schule geschrieben und alle dachten so okay, Judith wird Journalistin.

00:02:56: Und mir war das zu schnell einfach.

00:02:58: also ich habe immer noch totalen Respekt vor Journalismus.

00:03:01: Ich finde es extrem wichtige Arbeit Aber ich war irgendwie zu langsam dafür.

00:03:07: Ich wollte irgendwie an einer Sache ganz lange arbeiten und das geht halt oft nicht.

00:03:10: Oh,

00:03:11: du kannst ja wie ein investigative Journalistin werden oder bis zum halben bis dreiviertel Jahr dich irgendwo eindrahmt?

00:03:15: Ja aber ich habe dann irgendwann eben beschlossen so nehe.

00:03:17: also ich möchte mich gerne in diesen Bibliotheken vergraben, ich möchte irgendwie ganz viel lesen und ich möchte halt diese Forschung machen die eben auch völlig anders angelegt sind als Forschungen die du halt unter großem Zeitdruck machen musst.

00:03:29: z.B.,

00:03:30: also die Feldforschung die wir in der Ethnologie machen ist halt ganz klassisch irgendwie ein Jahr.

00:03:35: das hatte den Grund früher, dass man irgendwie so ein Jahreszyklus irgendwo mitmachen sollte.

00:03:40: Alle Jahreszeiten mitgemacht haben Trockenzeit, Regenzeit oder halt vier Jahreszeite nachdem wo man ist.

00:03:46: Das ist heute nicht unbedingt mehr so, wobei wir immer noch versuchen gerade wenn man Promotionsforschung macht lange an einem Ort zu sein und dann wirklich so Vertrauensverhältnisse aufzubauen Zu den Menschen mit denen man arbeitet und dann lang an einem Thema zu arbeiten.

00:04:01: Und es geht in der Wissenschaft natürlich viel besser als jetzt in so einem Beruf wiedering.

00:04:08: Ich hab mir auch ursprünglich was anderes vorgestellt, ich wollte Start-up gründer werden und schnell reich werden usw.

00:04:14: Dann hab' ich auch erkannt das ist nix für mich, es ist mir zu schnell.

00:04:19: Jetzt fragen Sie vielleicht viele so, äh ja?

00:04:22: Was ist eigentlich ein Politikformat?

00:04:23: Was hat denn eigentlich so einen Fach überhaupt mit unserer Gesellschaft oder dem Verstehen von unserer Weltgebensellschaft um so weiterzutun?

00:04:32: Kannst du das mal erklären?

00:04:34: Weil ich mein im Grunde seit... Ihr Wissenschaftler ja auch dafür da quasi das Wissen in die Gesellschaft zu tragen.

00:04:42: Ohne dass jetzt quasi so eine ökonomische Nützlichkeitsanspruch dahinter steckt, was ich frage aber einfach nur... Was nützt uns das?

00:04:47: Was ihr da erforscht?

00:04:49: Was du weißt?

00:04:51: Der erste Teil der Frage ging ja nur, was hat es mit Politik zu tun?

00:04:54: also meine Spezialisierung ist auf Politik und Recht.

00:04:58: Ich habe sogar eine Professur mit dem Schwerpunkt politischer Anthropologie.

00:05:01: Das heißt mein Beruf Leute, wie dich zu beobachten sozusagen.

00:05:06: Aber hauptsächlich eben Politik in gesellschaftlichen Kontexten, in denen ich ihn lange geforscht habe und das ist traditionell eben in Asien gewesen.

00:05:15: Ich hab eigentlich fast zwei Jahrzehnte in unterschiedlichen Teilen Asiens gelebt und geforst und hab da vor allen Dingen politische und rechtliche Themen bearbeitet.

00:05:26: Und was hat es mit uns zu tun?

00:05:27: Also ich glaube es schadet grundsätzlich nicht wenn man über ein Teller anguckt.

00:05:33: Deutschland kann extrem viel davon lernen zu verstehen, wie die Welt woanders organisiert ist.

00:05:38: Und Äthnologen sind eigentlich recht gut da drin auf eine gute Art und Weise über ihre Forschung zu schreiben.

00:05:47: wenn man sie denn lesen würde.

00:05:48: ich glaube jetzt in Deutschland es das Problem dass wir halt auf Englisch schreiben.

00:05:53: Die Analogie ist ein extremen internationales Fach.

00:05:55: Es ist ein ganz kleines Fach wird wahrscheinlich viele geben die das noch gar nicht kennen.

00:06:00: Neunzig Prozent der Texte, die ich schreibe sind auf Englisch nicht auf Deutsch.

00:06:06: Das ist ein Problem.

00:06:07: Kannst

00:06:07: du irgendwie durch den KI jagen und das auf Deutsch veröffentlichen?

00:06:10: Ich jag nichts durch KI.

00:06:11: Wirklich?

00:06:12: Mir geht nichts durch KAI

00:06:14: gar nichts.

00:06:14: Aber noch niemals zur Übersetzung oder sowas?

00:06:17: Nee.

00:06:18: Okay.

00:06:19: Ich schlag Worte nach in online Tools.

00:06:22: ne Die BR ist mittlerweile ja auch eine KI, ne?

00:06:26: Also von daher bin ich da irgendwie keine Ahnung, ein Satz reingeben oder so.

00:06:30: in dem Sinn benutze ich das.

00:06:31: Aber nichts von dem was ich schreibe und auch nicht von dem... ...was ich erwarte, was Leute bei mir promovieren zum Beispiel.

00:06:40: Und idealerweise auch Studierende abgeben sollte irgendwie durch die KI gejagt sein wobei man halt gucken muss was es ist.

00:06:48: Das ist ein riesen Thema.

00:06:49: moment aber... Dürfen

00:06:50: deine StudisKI benutzen?

00:06:52: Wir sind Überall gerade auf der Welt, nicht nur in Deutschland.

00:06:55: Nicht nur an den Unis, an diesem Thema dran.

00:06:58: Das ist ein riesiges Fass.

00:06:59: Wir können jetzt quasi eine Sendung nur über KI reden und was die Probleme sind?

00:07:03: Ich kann ganz kurz vielleicht irgendwie weiter über Politik und Recht reden.

00:07:06: Kann ich ganz kurz sagen einen für mich ganz wichtiger Grund quasi das natürlich kritisch irgendwie zu begleiten, was da passiert ist dass viele von diesen Datenzentren in den USA stehen auf Indigenen oder in der Nähe von indigenen Gebieten.

00:07:23: Und die ganze Umweltverschmutzung, die dadurch produziert wird auch quasi in Reservaten- oder in den indigenischen Gebieten irgendwie passiert.

00:07:31: und das ist eine Form von Kontinuität.

00:07:34: wo ich also das einen Punkt zum Beispiel, wo ich sage dass können wir aus ethischen Gründen nicht vertreten, dass wir das benutzen ohne uns über die Folgen im Klaren zu sein so aber es gibt noch ganz viele andere Gründe.

00:07:48: Du hattest den Rainer Mühlervier hier.

00:07:50: Ja, tolles Gespräch.

00:07:53: War dir gerade schon die Fachgeschichte mir das angedeutet hast?

00:07:55: und gleichzeitig sagst du es ist noch ein kleines Fach?

00:07:58: Weil's noch so jung ist und so neu oder weil's kaum gefördert wird?

00:08:02: Weil es kaum Unis gibt, die das...

00:08:05: Nee also warum ist die Ethnologie ein klelles Fach?

00:08:09: ich mein du studierst nicht Ethnologie und weißt danach was du bist wo du ein Job kriegst.

00:08:17: Du musst dir das selber zusammenbauen in deine Karriere sozusagen, wobei wir sehr gute Zahlen haben was unsere Absolventinnen angeht.

00:08:25: also die kommen alle unter weil sie nämlich im Laufe ihres Studiums und auch vor allen Dingen durch die Forschung und Auslandsaufenthalte sich sehr genau damit auseinandersetzen.

00:08:33: wer sind Sie?

00:08:34: Was können sie?

00:08:34: Was kann sie sehr gut?

00:08:35: Was interessiert sie?

00:08:36: Und es können sie glaube ich in Unternehmen auch gut verkaufen.

00:08:41: Also das ist dieses sprichwörtliche Wir brauchen Geisteswissenschaftler die bisschen out of the box denken können und die offen sind.

00:08:47: Das ist ein anderes Studium, als wenn du Jura studierst natürlich oder Medizin oder so.

00:08:54: Aber ich finde es extrem wichtig und wir haben... Also das sind kleine Studiengänge.

00:08:59: aber die Studenten in denen wir haben, die sind total toll weil sie einfach sehr weltoffen sind, weil die kritisch sind, Weil die hinterher schreiben können.

00:09:08: Die haben einfach wirklich was beizutragen.

00:09:10: Lern man Schreiben bei euch?

00:09:11: Man lernt auf jeden Fall schreiben, ist total wichtig!

00:09:14: Na ja, weil du halt die Daten, die du erhebst in deiner Forschung verarbeiten musst und Texte draus bauen musst.

00:09:21: Und das kann dir eben zum Beispiel keine KI abnehmen, weil Du diese Daten erhoben hast.

00:09:26: So wie wir arbeiten, arbeiten wir mit uns als ... Forschungsobjekt sozusagen.

00:09:33: Es gibt ja ganz viele Wissenschaften, die rechnen quasi die Forschenden raus aus der Forschung, versuchen so neutral wie möglich zu sein, versuchen nicht...

00:09:42: Die Beobachter auszuschließen?

00:09:43: Ja genau.

00:09:44: und alles was irgendwie halt nicht neutral in Anführungszeichen sein könnte.

00:09:47: und die Ethnologie macht das halt absichtlich nicht.

00:09:51: Das heißt wir forschen Mit unserem ganzen Körper, mit unserer ganzen Persönlichkeit.

00:09:55: Mit all unseren Problemen, die wir im Feld handieren.

00:09:59: Wir forschen mit allem der oder die wir sind und kommen transformiert aus dieser Forschung zurück.

00:10:04: Und dann kann man halt nicht so tun als hätte man neutrale Daten erhoben.

00:10:07: Aber redet ihr denn quasi immer so aus der echte Perspektive?

00:10:12: Ich hab das so gesehen ... Oder

00:10:14: kann man

00:10:15: das vereinbaren?

00:10:15: Nein, wir haben natürlich ein großes Methodenrepertoire.

00:10:21: Also... angefangen von biografischen Gesprächen, Haushaltsanalysen, Verwandtschaftsklassifikationen aufnehmen.

00:10:31: Die Art und Weise wie wir Beobachtungsprotokolle schreiben.

00:10:34: Wir schreiben verpflichtend sozusagen Tagebuch um halt die eigenen Gedanken, die während der Forschung passieren zu trennen von dem was wir beobachten, zu trenn von den Gesprächen die wir aufnehmen, zu trennen von den Fotos die wir machen oder den Videos.

00:10:48: also das ist so ein Methoden Potpourri Aber du bist immer da drin.

00:10:53: Und andere Wissenschaften versuchen, die forschende Person rauszuziehen und wir lassen uns drinnen und reflektieren das aber den ganzen Zeit.

00:11:01: Wenn ich Fälschforschung mache dann komme ich mit einem Buch irgendwie an was so niemand schreiben kann.

00:11:07: Der Vorwurf ist dann immer okay, woher wissen wir denn dass es stimmt?

00:11:11: Ja!

00:11:12: So.

00:11:12: und dann gibt's dann Re-Studies.

00:11:14: Es gibt teilweise.

00:11:15: gerade bei klassischen Forschung gibt es dann Leute, die gehen dann fünfzig Jahre später irgendwie noch mal hin und gucken, stimmt das denn?

00:11:22: Und ganz oft kommt raus so ist ja alles anders.

00:11:25: Ist aber auch nicht verwunderlich, wenn man fünfzig jahre später in den gleichen Ort geht, natürlich hat sich was verändert.

00:11:30: Das heißt, alles was wir machen ist quasi eine Insitu-Beschreibung wie ein Snapshot und gleichzeitig arbeiten wir aber historisch und versuchen im Endeffekt an kleinen Samples große Fragen zu beantworten.

00:11:45: Die Ethnologie ist für mich spannend, weil du nicht von vornherein versuchst ein großes Argument für eine gesamte Gesellschaft zu machen oder so.

00:11:53: Dein Untersuchungseinheit ist ganz klein!

00:11:55: Du bist in einem Dorf, du bist in einen Dorfteil und du bist irgendwie mit fünf Familien unterwegs, denn du halt zum Beispiel Familiengeschichte untersuchen möchtest.

00:12:13: Aber kannst du denn nur diese kleine Dorfgesellschaft am Ende beschreiben und nicht was vom Land das stattfindet?

00:12:19: Die wichtige Unterscheidung ist ganz oft, dass wir in einem Dorf forschen.

00:12:22: Das Dorf ist aber nicht das Thema, sondern wir untersuchen etwas anderes.

00:12:27: Aber die Untersuchungseinheit ist zum Beispiel ein Dorf.

00:12:30: Und es reicht völlig aus!

00:12:31: Was

00:12:31: untersucht ihr dann im Dorf?

00:12:32: Ich habe z.B.

00:12:33: in Kölgesdalen untersucht, was die Menschen unter Recht verstehen.

00:12:37: Ohne was will ich gleich noch darüber besprechen... Aber erzähl mal was zu der Fachgeschichte ist, wenn das kein junges Fach ist.

00:12:43: Was muss man darüber wissen?

00:12:44: Genau!

00:12:45: Hat das jemand erfunden oder

00:12:47: so?

00:12:47: Ja also im gewissen Sinne... Also es ist quasi... Man könnte anfangen von Alexander von Humboldt.

00:12:55: Expeditionen Reisen.

00:12:59: Die Leute hatten immer Ethnografen dabei meistens Männer auch irgendwie in kolonialen Kontexten teilweise In bewaffneten Kontexten, dass man ein Gebiet erobert hat.

00:13:13: Wenn man an das russische Reich denkt, dann sind die Ethnografen mit den Soldaten von Russland nach Zentralasien gegangen und waren die ersten, die aber natürlich ... mit Schutz irgendwie angefangen haben, irgendwie Daten zu erheben über diese fremden Völker.

00:13:31: Weil man die beherrschen will?

00:13:32: Genau!

00:13:33: Das war halt der Kontext damals.

00:13:36: Man wusste nichts über die anderen Es war fremd.

00:13:38: es gab irgendwie von missionaren Erzählungen.

00:13:42: Die sind ganz komisch die Leute.

00:13:43: Es gab irgendwie Zeichnungen dass Menschen halb Farbewesen sind Halbtier und so.

00:13:47: Und also in früherer Zeit sechstehntes siebzehn des Jahrhunderts.

00:13:51: Also das Wissen den Anderen über das Fremde halt mythisch.

00:13:56: und die Ethnografen, also Ethnografien des Schreiben, das Aufschreiben der anderen sozusagen.

00:14:01: Die waren die Ersten, die dieses Wissen irgendwie systematisch dann nach Europa zurückgebracht haben.

00:14:07: Aber mit welcher Motivation?

00:14:09: Damit man weiß wie man da beherrschen kann?

00:14:13: Erst mal wissen ja dass das mit dem Beherrschen das war natürlich irgendwie wichtig.

00:14:17: aber ich glaube es war halt genauso wie du irgendwie Flora und Fauna kartografiert hast du halt eben auch die Menschen, die da gelebt haben aufgeschrieben.

00:14:27: Und die haben teilweise diese ganzen Daten zurück nach Europa gebracht und dann saßen an den Universitäten Herren in ihren Lehnsesseln, deswegen nennt man das auch Lähnstuhlethnografie und haben sich dann die Daten kommen lassen.

00:14:39: Und haben angefangen diese Ethnographien aufzuschreiben.

00:14:42: So machen wir das heute natürlich nicht mehr.

00:14:43: Das ist so wie bei den Journalisten, die quasi vom Schreibtisch die Welt erklären wollen?

00:14:46: Ja das ist so wenn der Auslandskorespondent in Moskau was über Kyrgyzstan schreibt.

00:14:53: Achso fängt das an!

00:14:54: So fing

00:14:55: es an.

00:14:56: Dann kam Daniel erst, aber in der Koloniazer war das sehr wichtig.

00:15:01: Also vor allen Dingen im afrikanischen Kontext, aber auch im British Empire zum Beispiel waren Ethnografen extrem wichtig um genau dieses Wissen über die anderen zu systematisieren und dann ist es dazu verwendet worden um eben Grenzziehungen auch zu machen zb zwischen... ethnischen Gruppen, religiösen Zugehörigkeiten.

00:15:21: Woher kamen die Ethnografen dann her?

00:15:24: Wurden sie vor Ort zu Hause ausgebildet?

00:15:26: Hat sich das hingehen?

00:15:28: Das waren teilweise Leute aus dem Kolonialapparat, die teilweise auch irgendwelche Militärtitle hatten und so, aber jahrelang in diesen Gesellschaften geblieben sind.

00:15:41: Die Sprachen gelernt haben über viele Jahre dieses Wissen irgendwie gesammelt haben viel damit lokalen leuten angefangen haben zu arbeiten also die die middle man sozusagen die dann zwischen der einheimischen bevölkerung und in dem kolonial parat vermittelt haben

00:15:58: übersetzern sowas

00:15:59: genau übersetzer.

00:16:00: und den hat man die leute rausgebildet.

00:16:02: die haben selber weiter ethnografie gemacht so okay genau.

00:16:06: es ist in einem kollegialen kontext groß geworden und hat da eben auch eine wichtige rolle gespielt.

00:16:13: Und die Ethnologie ist mal an sich nach dem Fach, was diese Art Geschichte sehr gut aufbearbeitet hat.

00:16:19: Weil natürlich haben wir in den ganzen letzten hundert Jahren irgendwie da sehr viel drüber gearbeitet und das auch alles irgendwie sehr kritisch beleuchtet weil es natürlich eine extreme Machtungleichheit ist und extrem problematisch ist über

00:16:33: den

00:16:34: anderen zu schreiben.

00:16:36: Wie bekommt man dann quasi die koloniale Brille raus?

00:16:39: Das mit der Brille ist gut, weil die Brille sozusagen eine Metapher gibt es tatsächlich in Ethnologie und zwar von Franz Boas hieß der.

00:16:48: Das war ein deutscher Jude, der emigriert ist in den USA, weil er halt verfolgt wurde in Deutschland und der hat im Endeffekt die Kulturantropologie in den USA gegründet.

00:16:58: Und der hat für einer Kulturbrille gesprochen.

00:17:01: also man setzt quasi eine Kulturbrille auf und mit die andere Gesellschaft an und versucht eben aus der Perspektive der anderen Menschen, die die Welt zu erklären oder die Welt zusehen.

00:17:14: Das ist natürlich irgendwie eine bisschen idealistische Metapher ne?

00:17:18: Weil du kannst... das ist halt eine Frage, die mich auch echt weiterhin umtreibt.

00:17:22: Also wann verstehen wir den Anderen wirklich komplett?

00:17:26: Und es ist nicht einfach, du wechselst die Brille oder du sprichst die Sprache und sei's auch noch so perfekt dass du irgendwie dann den kompletten Zugang hast.

00:17:33: Hast du nie, ne?

00:17:35: Ist ideal.

00:17:39: und was wir machen ist quasi immer dahin arbeiten.

00:17:43: Also so gut wie möglich die andere Sprache sprechen, solange wie möglich vor Ort zu sein.

00:17:50: Sogut wie möglich eben Beziehungen zu etablieren mit den Leuten Vertrauensverhältnisse und so, dass man nicht mehr die Person ist, die den anderen aufschreibt oder die hingeht, Fragen stellt, einen Haushaltsbogen austeilt sich die Informationen holt und dann wieder nach Hause geht.

00:18:06: Das würden wir nicht mehr machen heute.

00:18:08: Deswegen ist die Ethnologie langsamer als andere Wissenschaften.

00:18:12: Wir reden gleich mal über deine Feldforschung, was in Kyrgyzstan Myanmar gibt es auch Ethnologen aus Kyrgestan und Myanmar, die dann quasi in Europa kommen oder mal in Deutschland leben und sich hier die Deutschen angucken und mit deren Kulturbrille auf uns gucken?

00:18:28: Und liest du denn sowas auch?

00:18:32: Den ersten Teil ja!

00:18:34: Es gibt sehr viele... Ethnologinnen, vor allen Dingen aus Zentralasien.

00:18:38: Ich weiß nicht genau warum aber es ist ein extrem gegenderter Beruf mittlerweile.

00:18:41: Es gibt ein paar Ethnologen und es gibt sehr viele Frauen die diesen Beruf ausüben, die auch promoviert worden sind teilweise in Europa oder den USA Aber die forschen alle zu ihren eigenen Gesellschaften.

00:18:55: Das ist ein bisschen schade weil eigentlich wäre es toll wenn sie eben keine Ahnung ganz woanders zu forschen würden.

00:19:02: aber ich glaube einer der Gründe warum das so ist dass eben im Zuge dieser Aufarbeitung, also der Kolonialzeit und der Tatsache, dass man halt sehr lange quasi in einer Gesellschaft diejenige war über die, die anderen geschrieben haben.

00:19:15: Das ist ein sehr großes Bewusstsein in den Gesellschaften dafür.

00:19:18: da ist das wir es jetzt selber machen wollen.

00:19:20: Sie wollen halt über sich selbst schreiben so ne?

00:19:23: Und das ist glaube ich gerade, wenn ich an Kyrgyzstan denke... Es ist grad eine ganz wichtige Phase irgendwie wo ich mich auch teilweise raushalte Also, wo ich meine Art und Weise wie ich forsche und über was sich schreibe.

00:19:36: Und was ich sage auch danach ausrichte ob das jetzt gerade notwendig ist oder nicht?

00:19:43: Das musst du halt sehen.

00:19:44: Das ist in Kyrgyzstan anders als im Myanmar.

00:19:46: Es ist anders als in der Forschung die ich in Europa mache.

00:19:49: Wieder?

00:19:50: Kann man sich das vorstellen?

00:19:51: Du musst halt irgendwie gucken wo die Leute selber stehen mit denen du arbeitest.

00:19:56: Also Kyrgizstan war halt Teil der Sowjetunion ist ein relativ junger Nationalstaat, ist quasi in die Unabhängigkeit geworfen worden.

00:20:07: Die Leute wussten irgendwie nicht was passierte irgendwie Anfang der Neunziger und die haben quasi von null auf sich eine nationale Identität gebaut, die halt anders ist als das, was ihnen diese Wirtunion gegeben hatte.

00:20:20: Also du hast von der Sowjetunion quasi für Zentralasien so Rezepte bekommen wie irgendwie der Staat auszusehen hat... wie das irgendwie organisiert zu sein hat, was die nationalen Gerichte sind.

00:20:32: Die nationalen Tänze alles so.

00:20:35: Das ist quasi von oben runter diktiert worden.

00:20:37: Also Ethnic Engineering sagt man also top down und dagegen haben sie sich schon in den neunzigern oder halt zweitausend dann angefangen zu werden und haben halt eine eigene Form der nationalen Identität versucht zu prägen, das habe ich irgendwie begleitet.

00:20:55: Das war Time in Erforschung.

00:20:56: da ging es um Neotradizionalisierung also quasi der Rückgriff auf das vermeidlich authentische Frühjahr was in ganz vielen Fällen aber halt neu war.

00:21:08: und die logische Haltung ist dann nichts sagen.

00:21:11: Ich gucke jetzt mal irgendwie den historischen Bücher nach und sag euch dann eher, das stimmt doch gar nicht.

00:21:16: Das gab es doch noch gar nicht!

00:21:18: Es ist doch erst ein Teil erfunden oder so.

00:21:20: Sondern zu verstehen warum in dem Zeitpunkt es notwendig ist für eine Gesellschaft.

00:21:25: Und zwar sowohl für die Leute in der Politik zum Beispiel also im Parlament oder in der Regierung als auch viele Leute aufm Dorf sich eine neue Art von Identität zu schaffen und zu sagen dass es, das is kegisisch ne?

00:21:39: Und so sind wir, wir sind nicht wie die.

00:21:42: Das begleite ich halt ohne es zu bewerten und sie brauchen mich da jetzt nicht bei.

00:21:48: Also das ist irgendwie keine Arbeit, die ich jetzt irgendwie bewerten müsste oder so.

00:21:56: Und diese Unabhängigkeitswerden hat quasi mit... dem Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine ist es noch mehr verstärkt worden.

00:22:08: Das ist total spannend, weil ich also meinen Blick auf Russland ist durch Zentralasien.

00:22:14: Ich gucke alles was in Russland und der Ukraine passiert schaue ich quasi über Zentral Asien an.

00:22:19: Weil mich interessiert wie durch diese Kriegssituation sich das Selbstverständnis der Menschen in ZentralAsien ändert.

00:22:28: Und ein Aspekt zum Beispiel ist dass die Leute Seit ein paar Jahren anfangen sich selber als indigene Bevölkerung Zentralasienz zu bezeichnen.

00:22:37: Und das Wort Indigen, das gab es vorher überhaupt nicht in deren Vokabular.

00:22:43: Die waren halt Kegisen oder Kasachen und so.

00:22:46: Das war schon das Neue.

00:22:47: Weil früher war man auch nicht wirklich Kegise oder Kasachemann, sondern halt der Sowjetunion.

00:22:52: Jetzt geht's aber wirklich darum zu sagen wir sind Indigen um halt diese... immer noch bestehende Abhängigkeit von Russland irgendwie so weit wie möglich, irgendwie von sich wegzuschieben.

00:23:03: Und das ist halt interessant und es ist hochpolitisch alles.

00:23:06: Es ist auch hochemotional.

00:23:08: Das läuft teilweise unter dem Konzept Decolonialisierung was die Leute aber selber verwenden.

00:23:16: also ich rede jetzt vor allen Dingen eben von Eliten in der Stadt.

00:23:19: Also meine Familie auf dem Dorf in Kyrgyzstan arbeitet mit diesen Konzepten nicht Aber deren Selbstverständnis ist genauso.

00:23:27: Also dieses Abgrenzen von dem ehemaligen großen Bruder sozusagen.

00:23:32: Der halt jetzt kein großer Bruder mehr ist, sondern halt der andere.

00:23:36: Das finde ich total

00:23:37: spannend.

00:23:37: Haben die dann auch Angst dass quasi die Großen nochmal wiederkommen?

00:23:40: Einmarschieren?

00:23:43: Die Kyrgyzen nicht?

00:23:44: so weil Kasachstan dazwischen ist und Kasachan ist sehr groß und sehr stark und deswegen haben sie auch nicht mehr so Angst.

00:23:52: aber es ist trotzdem wichtig diesen Unterschied zu betonen.

00:23:57: Also Teile, dass er selbst Identifizierung kommen durch die Abgrenzung.

00:24:01: Ganz starke Abgrenzungen von Russland und das ist insofern interessant als diese ganzen Länder, also ganz zentrale Asien eigentlich finanziell extrem abhängig ist von Russlands weil sie halt mit der Arbeitsmigration ein riesengroßen Teil ihres Bruttoinlandsproduktes eigentlich über die Gelder, die aus Russland kommen irgendwie finanzieren und die Leute kommen teilweise zurück.

00:24:23: jetzt.

00:24:24: Also die geben ihre Jobs auf in Moskau.

00:24:27: Die lassen sich zum Beispiel nicht kaufen, russische Staatsbürgerschaft für Militäreinsatz

00:24:34: z.B.,

00:24:35: machen sie nicht und das kriegt man hier nicht so mit.

00:24:42: aber das ist total interessant.

00:24:45: Lass mal bei Kyrgyzstan bleiben.

00:24:46: jetzt haben wir schon so oft erwähnt vielleicht mal grob gesagt es sind diese große Kasachstarren wie viele Menschen leben da?

00:24:53: Ist dann quasi auch.

00:24:55: Seit der Unabhängigkeit gibt es auch die kirgesische Sprache.

00:25:00: Ja, ja klar!

00:25:01: Wir erleben das aber bei Ukraine, dass da quasi die ukrainische Sprach in Vordergrund getreten ist, dass russische entweder verboten wurde oder versucht zumindest das wegzudrängen.

00:25:14: wie war das nach der Unabbähigkeit?

00:25:16: Also als ich angefangen habe zu Kyrgyzstan zu arbeiten hab ich russisch dazustudiert weil ich zum einen die Literatur lesen musste, aber auch weil ich in der Stadt also in Bishkek ansonsten nicht mit Leuten hätte sprechen können.

00:25:31: Weil alles auf Russisch war so und dann als ich für die Doktorarbeit dann ins Dorf gegangen bin habe ich halt kegisisch studiert oder kegisi in der Dorfschule gelernt eigentlich und auch wieder in Bischkek, weil auf dem Dorf niemand russisch gesprochen hat.

00:25:46: Oder selbst wenn sie es gekonnt hätten oder früher gesprochen haben wollten Sie's nicht mehr.

00:25:51: Es war ein Politikum.

00:25:53: Also du hast diese Zweisprachigkeit immer schon gehabt, die ist auch nie weggegangen.

00:25:57: Ich habe in einem Haushalt gewohnt von einer Großmutter, klassifikatorische Großmütter von mir, die hat es schon seit ein paar Jahren gestorben leider und sie hat die ganze Sowjetunion hindurch sich einfach geweigert russisch zu sprechen.

00:26:11: Sie hat immer kegiesisch gefroren.

00:26:13: Die hat sich auch geweigert irgendwie nicht zu beten, die war immer muslima obwohl's verboten war.

00:26:18: also es gab immer quasi Widerstand in den Dörfern, aber auch grundsätzlich in Zentralasien.

00:26:23: Also die Souveränie war nie so der Block oder so komplett beherrschen und wie man sich das irgendwie vorstellt.

00:26:31: Und gleichzeitig war der Staat überall da.

00:26:34: also du hast es natürlich überall gesehen, aber die Leute haben ein extrem unterschiedliches Verhältnis gehabt.

00:26:40: einige Alte fanden Gut, ich hab auch noch Anfang der zweitausender mit alten Männern geredet.

00:26:45: Die waren damals in Berlin stationiert.

00:26:47: Das war für mich total komisch weil du kommst halt in so ein Bergdorf.

00:26:51: Also fährst irgendwie den ganzen Tag über zwei riesige Pässe und hast deine Sachen dabei und willst Feldforschung anfangen und bist total aufgeregt.

00:26:59: Und dann gehst du diese Dorfstraße entlang und dann sitzt dieser Operin diesem Innenhof und redet dich auf Deutsch an.

00:27:06: kommen mein Mädchen, lass uns tanzen auf Deutsch.

00:27:09: Und ich bin halt fast umgefallen und hab dann natürlich sehr lange über diese eineinhalb Jahre, die ich da in diesem Dorf gewohnt habe mit dem gesprochen und mit anderen und die waren alle in Berlin stationiert.

00:27:21: also die sind alle quasi während des Krieges aus Nordkirgestern-Talass quasi quer durch diese Wirtunion Richtung Berlin geschickt worden.

00:27:33: Hast du von denen was über Deutschland gelernt?

00:27:35: Ja!

00:27:36: Zum Beispiel, dass es in Berlin Strom gab.

00:27:38: Das fanden die super!

00:27:41: Die hatten ein extrem positives Deutschlandbild.

00:27:44: Der eine hatte auch ne deutsche Tochter und ich hab versucht sie zu finden.

00:27:48: Hab das aber nicht geschafft.

00:27:49: Es gab keinen Kontakt mehr.

00:27:51: Aber das waren irgendwie so diese... Das ist halt so Witunion gewesen.

00:27:56: Und diese vor allen Dingen alten Leute mit denen ich viel zusammengearbeitet habe, haben natürlich davon sehr viel erzählt.

00:28:02: In der Stadt war damals alles auf Russisch.

00:28:04: Wenn du jetzt nach Büschke kommst, ist alles auf Kyrgyzisch.

00:28:07: Das Parlament ist auf Krygyzische und die Politiker sprechen auf KRYGYSISCH.

00:28:11: Die Leute können schon noch russisch.

00:28:14: Ist das eine verwandte Sprache zu Russisch?

00:28:15: Nee, wir wollen gar nicht.

00:28:16: Aber das ist auch nur ein eigener Ordner.

00:28:17: Krygysisch ist ne Türksprache... ...und russisches ist halt Ost-Slavisch.

00:28:23: Wie lange hast Du gebraucht um das zu lernen?

00:28:26: Kannste es machen?

00:28:27: Könntest

00:28:28: du das auch so reden?

00:28:30: Ich bin mittlerweile ein bisschen Rusty glaube ich aber ich verstehe alles und ich lese immer noch Jede Woche irgendwie.

00:28:36: Ja, ja ich verstehe alles und ich kann halt...

00:28:40: Da gibt es glaube ich nicht viele in Deutschland.

00:28:45: Nicht so viel.

00:28:47: Wie bist du ursprünglich hingekommen?

00:28:50: Wie bist auf die Idee gekommen?

00:28:51: auch Kyrgyzstan?

00:28:52: In Tübingen gab's eine Professorin, die hatte vorher Pakistanforschung gemacht Und die hat irgendwann die Idee gehabt, wie wäre es mit Kyrgyzstan.

00:29:00: und das hatte damit zu tun dass die Volkswagen Stiftung, das ist eine große Stiftungen in Deutschland ein neues Programm aufgesetzt hat zur Mittelasienforschung.

00:29:10: Also Zentral-Asie-Mittel Asien ist das gleiche.

00:29:13: Das heißt es war ganz pragmatisch da gab's irgendwie Geld und Es war halt ne Region.

00:29:19: die war halt erst seit als ich angefangen habe, dreizehn Jahre überhaupt zugänglich.

00:29:25: Es war halt unmöglich während der Sowjetunion als westliche Wissenschaftlerin, stationäre Forschung zu machen in diesen Ländern.

00:29:31: Das ging nicht.

00:29:33: Da ist immer wieder so Journalisten gehabt die irgendwie reingekommen sind und so ein zwei Amerikaner die es irgendwie geschafft haben Langzeitforschungen zu machen aber ansonsten gab's nichts.

00:29:44: Und das heißt es war eine riesige Chance.

00:29:46: also es gab aus Deutschland überhaupt aus der Welt Gabs Interesse.

00:29:49: was ist da los?

00:29:50: Was ist Zentralasien?

00:29:51: Was machen die da?

00:29:52: So wer sind die?

00:29:55: Und jedes Forschungsthema, was du dir ausgesucht hast, warst du mit einer der ersten die das bearbeitet hat.

00:30:01: Das war total spannend

00:30:02: so.

00:30:03: Mit welchem Forschungstemo bist du hingefahren?

00:30:06: Ich habe wie gesagt mich immer schon für Recht interessiert.

00:30:09: Ich hab Üerecht studiert irgendwie im Nebenfachentübingen – mit Völkerrechtsschwerpunkt und ich wollte kein Jura studieren weil ... Weil ich zu viele Fragen die ganze Zeit gestellt habe.

00:30:24: Das war das Problem, also ich war nicht so gut auswendig lernen und ich hab die ganze zeit irgendwie alles hinterfragt und ich glaube man kann sehr gut Jura studieren wenn man so eine Einstellung hat.

00:30:34: aber ich habe es irgendwie nicht hingekriegt, sondern mich hat immer irgendwie mehr interessiert was verstehen andere Menschen unter Recht?

00:30:41: Nicht was ist recht!

00:30:43: Und mich hat interessiert Was ist Recht in Kyrgyzstan?

00:30:48: Weil ich irgendwie, ich glaube damals war es ein Amnesty International-Bericht oder so mitbekommen hatte.

00:30:54: Dass es da so Dorfgerichte gibt also ältesten Räte und das kannte ich natürlich nicht und man interessiert sich ganz oft für Dinge die wir nicht kennt und die fremd sind und so und dachte ich dann schaue ich mir das mal an.

00:31:05: und gleichzeitig ist das Thema was in der Rechtsethnologie also in diesem Spezialgebiet wo ich arbeite ein ganz klassisches Thema ist Wohnhaltsrecht Und ältesten Gerichte.

00:31:16: Die Gerichte der Alten, so ne?

00:31:18: Also nicht staatliche Gerichte sondern eine andere Art Gerichtsbarkeit und dazu habe ich geforscht.

00:31:24: Aber erst in der Stadt und dann später für

00:31:26: die... Nee immer hauptsächlich auf dem Dorf und irgendwann bin ich in die Stadt gegangen weil es diese Dorfgerichte plötzlich auch in der Stadttür.

00:31:32: Ja das wollte ich gerade wieder geben.

00:31:33: Gibt's denn also Anäluksstadt-Gerichte oder...?

00:31:35: Genau

00:31:35: die waren dann in den Hochhäusern In den Mikrorayons genau aber halt erst seit Ende der Neunziger Anfang der zweitausender Also ein extrem rezentes Phänomen, was aber quasi rekurriert auf irgendwas, das urtypisch kürgisisch sein soll.

00:31:51: Was

00:31:51: gab's in der Sowjetunion nicht?

00:31:53: Die gab es nicht!

00:31:54: Diese Wirtel nun hat genau diese russischen Ethnografen.

00:31:58: Die haben am... ...Ninzehundzwanzig oder so haben die alles, was sie erst mal kodifiziert hatten an Nichtstaatlichem Recht abgeschafft.

00:32:06: Das heißt, die haben erst alles aufgenommen.

00:32:10: Wie ist die Rechtsverstellung im Zentralasien?

00:32:12: Haben wir das hier aufgeschrieben Und haben dann gesagt, okay jetzt macht ihr das bitte alles nicht mehr.

00:32:16: Hier kriegt ihr neue Gerichte und da sind die Richter und so wird jetzt recht gesprochen.

00:32:22: Parallel und privat liefen natürlich diese anderen Verfahren weiter aber gleichzeitig ist es komplett auch von oben überstülpt worden.

00:32:32: Mich hat halt interessiert was passiert in dieser Unabhängigkeitssituation wie diesem neuen Nationalstaat mit dem Rechtsverständnis bei den Leuten?

00:32:40: Mit welchem Bild bist du da hingegangen, mit welcher Vorstellung von so einem Dorf gerichten?

00:32:43: und wie war dann die Realität?

00:32:46: Das Bild war quasi dieser Amnesty International Bericht der irgendwie von der Steinigung geschrieben hatte.

00:32:52: Und das war ein bisschen dass ich dachte oh was ist denn da los und so und genau es war halt irgendwie einen Einzelfall und er ist auch nie komplett aufgearbeitet worden und ich wusste nicht genau was mich erwartet.

00:33:05: aber bin dann halt in diesem einen Dorf geblieben, einfach weil die Leute gesagt haben ja ihr könnt's hier bleiben.

00:33:12: Du sagst den gesagt, ich würde gerne mal die Dorfgerichtsbarkeit kennenlernen?

00:33:16: Ich war halt in der Stadt und habe da Kyrgyzys studiert und kannte da schon viele Leute.

00:33:20: Als Studentin in Bishkek schon mal an, hab mir halbes Jahr das studiert genau auf dem Außenstuhl.

00:33:27: Das heißt, ich hatte ganz viel Kontakte in der Statt und dann bin ich quasi über Vermittlungen irgendwann auf dieses Dorf gestoßen wo dann der Älteste von diesem Gerichtsachter okay Judith kann bleiben.

00:33:37: Und dann bin ich halt mit Sack und Pack irgendwie.

00:33:40: Mit meinem damaligen Freund, einer Kamera und ganz viele Aufnahmegeräten und noch mehr Notizbücher.

00:33:46: Und habe dann so ganz klassische Old School Dorfeldforschung gemacht!

00:33:52: Wie muss man sich dann so ein Dorfgericht vorstellen?

00:33:56: Muss immer irgendwas passieren und dann kommen die Ältesten zusammen.

00:33:59: Und da muss Gericht gestorben werden oder quasi die Wahrheit gefunden werden, was ist der Sinn uns weg?

00:34:06: Das Interessante da ist halt... Der Sinn uns Weg ist im Endeffekt dass man versucht die Ordnung in einem in dem dörflichen Kontext, der auch eben Verwandtschaftskontext ist weil die Leute anders organisiert sind als bei uns.

00:34:18: Es sind nicht nur Nachbarn sondern es sind immer auch Verwandte Und die gehören halt auch zu einer bestimmten Lineage.

00:34:24: Die Lineage ist eine Absturmbungsgruppe, ne?

00:34:26: Also es gibt unterschiedliche Organisationsformen und Kyrgyzstan ist eine sehr verwandschaftlich organisierende Gesellschaft.

00:34:33: Und wenn da halt Streit ist oder Konflikt oder schlimmer dann muss man irgendwie gucken dass man den beilegt weil der Staat ist extrem weit weg.

00:34:42: Der Staat ist in der Stadt über zwei Pässe.

00:34:44: Also

00:34:44: Polizei kann man ja nicht mehr rufen

00:34:45: wann er sitzt.

00:34:46: Polizei gibt's nicht.

00:34:46: Ach so!

00:34:49: Genau also... Der Staat ist man selber.

00:34:52: Und das auch gut so, die wollen den Staat doch nicht da haben.

00:34:56: Also wir machen das hier unter uns und so ist es aber überall in Kyrgyzstan.

00:35:03: Das ist ein extremen...

00:35:05: Sind ja keine Steuern oder sowas?

00:35:07: Doch irgendwie wobei wirklich funktioniert hat das damals als ich vorher schon gemacht habe nicht.

00:35:12: Aber doch sie müssen irgendwie Steueren zahlen Und kriegen auch Rente und solche Sachen.

00:35:16: Also es gibt die Überbleibsel des sowjetischen Sozialstaats, und gleichzeitig gab's aber immer schon quasi diese anderen Organisationsmechanismen.

00:35:27: Auch während der Sowjetüne nun, aber jetzt gerade eben in der Unabhängigkeitszeit auch.

00:35:31: Genau!

00:35:32: Es muss was passieren und dann wird er angerufen und entweder macht versucht das alleine zu machen oder nimmt seinen Kumpel mit und wenn es eine große Sache ist, dann trifft sich Das Gericht, und weil ich damals ein Auto hatte.

00:35:44: Du meinst jetzt mit alleine der Dorfältest?

00:35:47: Genau, jedes Gericht hat einen Vorsitzenden oder obersten Richter sozusagen.

00:35:56: Und ich hab die immer eingesammelt.

00:35:57: also dann war es eben der Beschluss okay heute ist Gericht Judith Holmar XYZ oder so.

00:36:03: und dann musste man Freund oder ich diese Ältesten einsimmeln.

00:36:07: Der heißt Aksakal Weißbad.

00:36:09: Die haben alle natürlich so lange weiße Bärte, das ist ganz klassisch.

00:36:13: Und haben irgendwie ihre Hüter auf und genau... Wir haben uns entweder irgendwie im Bürgermeisteramt getroffen oder halt in der Schule im Klassenzimmer oder unter einem Baum oder irgendwo.

00:36:26: wenn es ein Landstreit war dann halt auf diesem Landstück und dann ist halt was vermessen worden.

00:36:31: und also wo immer etwas los war da gehen die halt hin oder man zitiert die Leute in diese Bürgermeisterämter.

00:36:39: Der Bürgemeister darf aber nicht dabei sein.

00:36:42: Und dann, ich hab mich halt auch...

00:36:44: Der Bürgemeister darf nicht da mal?

00:36:45: Genau!

00:36:45: Ich hatte also dieses ritualisierte Interessiert weil mich so Bilder vom Staat im Endeffekt interessiert haben die noch übrig sind oder die die auch selbst irgendwie imaginieren.

00:36:55: Also die Ältesten mit denen ich da zusammengearbeitet habe, die hätten eigentlich gern gehabt dass die Leute aufstehen wenn sie reinkommen oder überhaupt aufstehnen wenn sie irgendwo was hier halt sich vorgestellt haben oder warum sie keine Roben kriegen.

00:37:08: Vom Staat war immer so ein Thema, also richtige Richter müssen doch irgendwie Roben haben.

00:37:12: Also die hatten so Vorstellungen wie der Staat eigentlich Richter ausstatten sollte und sie waren immer total unzufrieden.

00:37:18: Und gleichzeitig war es aber so ist eigentlich gut dass die hier nichts zu sagen haben.

00:37:22: Immer wenn jemand aus der Stadt kam dann haben sich alle immer so verstellt und haben dem halt irgendwas erzählt bis er wieder gegangen ist und so.

00:37:29: Genau das waren sie in diesem extremen autarke Gesellschaft.

00:37:34: Und mich hat eben interessiert, wenn es wirklich irgendwie Probleme gibt nach welchen Rechtsverstellungen lösen die ihre Streite oder Konflikte?

00:37:42: Kannst du mal das anhand von zwei Problemen beschreiben, wo dann quasi okay da lösen wir das so und bei dem anderen Problem lösen das so.

00:37:56: Es gibt ein Konzept, wozu ich viel gearbeitet habe.

00:37:59: Das ist Rechtspluralismus.

00:38:00: Dass erst mal davon ausgeht das Recht nicht nur an den Staat gekoppelt ist so wie bei uns die Vorstellung ja ist.

00:38:07: Das heißt du hast staatliches Recht und dann gibt es aber noch andere Ordnungen, die rechtsähnlich sind.

00:38:13: Und in Kyrgyzstan ist es religiöses Recht oder Scharia.

00:38:18: Was das bedeutet muss man eben sich genau angucken.

00:38:21: Es hat ganz oft sehr wenig damit zu tun was man denkt was es ist.

00:38:25: Und dann gibt es Gewohnheitsrecht vor allen Dingen.

00:38:27: Ein Gewohnheiterecht ist eben nicht das, was die Russen aufgeschrieben und abgeschafft haben sondern das, dass die ganze Zeit irgendwie weiter tradiert wird genauso wie die Chariah eigentlich oder das Verständnis von Chariat.

00:38:38: Das heißt du hast zwei extrem bewegliche Rechtsordnungen Die immer wieder neu interpretiert und neu ausgelegt werden und je nach Situation unterschiedlich zum Einsatz kommen und diese nicht kodifiziert.

00:38:50: da kann niemand irgendwie in den Buch nachschauen Und sagen hier aber Artikel thirty-fünf oder so, oder im Kommentar nachschauen und sagen aber XY hat das doch so interpretiert.

00:38:58: Sondern es ist alles oral.

00:38:59: Es ist alles quasi ad hoc kontextuell und es ist extrem konfliktbehaftet natürlich weil alle sich drüber streiten.

00:39:07: Aber es hat spannend und die kommen auch zu einem Ergebnis.

00:39:10: So ne?

00:39:11: Und staatlich ist recht der Staat habe ich gesagt immer weit weg und gleichzeitig ist es ein bisschen wie dieses Damoclass Schwert gewesen.

00:39:17: Wenn wir uns nicht einigen können dann geht irgendjemand noch Bishkek Oder nach Talas.

00:39:22: Talas war die Regionale

00:39:23: Stadt,

00:39:24: dann melden wir noch oben und das ist aber total so ein Stigma gewesen.

00:39:30: es wollte eigentlich niemand und dadurch sind die Sachen immer irgendwie gelöst worden Aber nicht unbedingt halt so wie man jetzt in unserem Kontext sich das vorstellen könnte.

00:39:40: also nicht immer zum Guten nicht immer auf eine Art und Weise die man nachvollziehen kann.

00:39:45: So, das ist halt in diesem Dorfkontext, wo ich jetzt gearbeitet habe.

00:39:48: Also ich bin zwei Dörfer gearbeitet, um vergleichen zu können so wie es funktioniert hat für die Leute.

00:39:55: Aber was ist denn das Stil?

00:39:56: Wenn man streiten sich zwei oder das passiert zwischen zwei Parteien... Ja kommt darauf

00:40:00: an weil du hast halt keine Ahnung!

00:40:02: Du hast viel Liebstahl zum Beispiel.

00:40:05: Je nach Saison hast du unterschiedliche Streite.

00:40:09: Ich hab natürlich Tabellen angefertigt und du hast im Frühjahr halt vor allen Dingen Streit um Wasser weil halt die das Land bewässert werden muss.

00:40:17: Im Sommer hast du Streit und Vieh, was gestohlen wird, weil es halt oben auf die Hochweiten kommt und dann hast du halt Viehdiebe, die halt die Kühe steheln oder die Pferde stehlen.

00:40:30: Im Herbst gibt's ganz oft irgendwie Ernteklau und im Winter schlagen die Männer ihre Frauen, weil sie bedrunken sind und nichts anderes zu tun haben!

00:40:37: Da ist halt häusliche Gewalt.

00:40:39: also kannst du richtig so zügeln irgendwie abziehen.

00:40:42: Und dann hast du halt im Schnitt keine Ahnung, wie viel Gerichtssitzung ich irgendwie mitgemacht habe aber vielleicht irgendwie so jede Woche mindestens eine wenn es viel war und manchmal auch weniger.

00:40:57: Das wird denn so stundenlang abgearbeitet?

00:41:01: Die treffen sich halt und bringen alle Leute zusammen und diskutieren das aus.

00:41:05: Und das Interessante ist die haben in dem Sinne Es gibt ein staatliches Gesetz, was genau diese Gerichtsbarkeit irgendwie beschreibt.

00:41:17: Aber für bestimmte Dinge haben wir eigentlich gar keine Zuständigkeit.

00:41:20: Was aber nicht heißt dass sie sich trotzdem darum kümmern zum Beispiel irgendwas bei Scheidung passiert also wie das Land aufgeteilt wird so wie die Kinder gehen was die Frau irgendwie zurückbekommt an der Aussteuer solche Sachen.

00:41:35: und es gab zb auch einen Fall von von tödlicher Körperverletzung, wo was auch natürlich viel zu hoch gewesen wäre um das auf dieser Ebene zu behandeln.

00:41:45: Und die haben es aber trotzdem gemacht und haben halt ihren Weg gefunden, die Person quasi aus diesem Dorfkontext zu eliminieren.

00:41:52: Die haben den Verband sozusagen...

00:41:53: Nicht umgebracht?

00:41:54: Nee nee, das nicht!

00:41:55: Aber die haben denen die Trauerfeier zahlen lassen, was in Kyrgyzstan sehr sehr kostspielig ist.

00:42:00: also der musste quasi die ganzen Kosten übernehmen und danach musste er's Dorf verlassen.

00:42:05: so Dafür, dass er sich jemand umgebracht hat ist das dann noch...

00:42:09: Umgefahren.

00:42:10: Ach,

00:42:10: umgefahren?

00:42:10: Ja ja, aber

00:42:12: es war genau

00:42:13: da

00:42:14: beides drastisch.

00:42:14: Und darf der jenige sich denn auch wehren und quasi dann mitdiskutieren und sagen also ich...

00:42:19: Nein, der hätte halt sagen können ihr seid nicht zuständig und ich such mir jetzt einen Anwalt und gehen die Stadt oder so, aber das Interessante ist, dass die Leute das ja nicht machen.

00:42:28: Also es gibt ganz selten Fälle, die dann wirklich nach oben getragen werden weil sie genau wissen Je höher du gehst, je näher du am Start bist desto grobter wird's.

00:42:37: Du brauchst ganz viel Geld und du bist ja irgendwie als eben nicht nur als Nachbar sondern eben als Verwandtschaftsmitglied Linusch-Mitglied bist du ja einem riesen sozialen Netz eigentlich drin.

00:42:50: das heißt du willst in diesem Netz auch drinnen bleiben du willst eigentlich nicht komplett daraus fallen.

00:42:54: Und das führt natürlich dazu so checks and balances auf dieser lokalen Ebene dass die Leute irgendwie versuchen miteinander klarzukommen.

00:43:02: Ich will das ja gar nicht idealisieren, es ist teilweise extrem problematisch.

00:43:05: Aber es funktioniert einfach anders als bei uns so und das hat mich halt interessiert.

00:43:10: Was

00:43:10: ist problematische?

00:43:12: Das zum Beispiel unsere Gerechtigkeitsvorstellungen da nicht wirklich unterkommen teilweise.

00:43:21: Weil das eine sehr patriarchale Gesellschaft ist

00:43:24: z.B.,

00:43:25: weil die Stellung der Frau auf einer Seite sehr stark ist aber nicht im Sinne von Gleiche Rechte, sondern stark in Bezug auf bestimmte Zuständigkeiten.

00:43:37: Sie haben eine ganz starke Arbeitsteilung sozusagen der Mann hat nichts zu melden im Haushalt, er liefert das Geld ab und die Frau bestimmt was damit passiert?

00:43:45: Die Frau hat aber nicht zu melde in der Politik.

00:43:49: Das heißt sie teilen sich das und das ist okay so weil es im Endeffekt über lange Zeit tradiert ist.

00:43:57: Das ist sehr anders als das, was die Sowjetunion versucht hat.

00:44:00: Nämlich genau diesen Gleichheitsgedanken überall auch bei den Frauen sozusagen durchzusetzen und in den Städten funktioniert es sehr gut.

00:44:07: Es gibt zum Beispiel oder es gab zum Beispiel viele Politikerinnen auch in Pakistan aber es gibt jetzt so eine sehr starke Rückwende.

00:44:18: irgendwie also vieles was positiv quasi war hat sich irgendwie zurückentwickelt in den letzten zehn Jahren.

00:44:26: Das sind halt Sachen, die... Also selbst finde ich jetzt aktiv gerade keine Forschung mache zur Kyrgyzstan.

00:44:30: Obwohl ich so ein Forschungsprojekt irgendwie mir gerade überlege.

00:44:37: Beobachten wir das die ganze Zeit weiter?

00:44:39: Wir lesen die ganzezeit weiter auch wenn wir gar nicht aktiv irgendwie vor Ort sind.

00:44:43: Woher wissen denn diejenigen in diesem Dorf was dann jetzt recht ungesetz ist?

00:44:48: also wenn man jetzt den Staat beiseite lässt wo es quasi im Gesetzbuch gibt wahrscheinlich einen Parlament Wir haben ja die Vorstellung der Gesetz ist, was im Gesetzbuch steht oder was ein Bundesanzeiger veröffentlicht wurde.

00:45:01: Was der Bundestag beschlossen hat und darauf kann ich mich beziehen Und wir sind ja irgendwie haben wahrscheinlich auch die Forschung.

00:45:07: man kann nur Rechte haben wenn es irgendwo einen Staat gibt wo man das einklagen kann Sagst du dass es irgendwie alles oral um mündlich überliefert.

00:45:16: Ja

00:45:16: da muss ich immer dabei sein und besser mir das alles merken.

00:45:19: Genau.

00:45:20: also wenn wenn du jetzt diese diese Sitzungen irgendwie verstehen willst dann musst du vor Ort sein weil dir nicht aufgeschrieben sind.

00:45:26: Teilweise haben sie mich irgendwie verdonnert, Protokolle zu schreiben weil eigentlich sind Sie verpflichtet es aufzuschreiben.

00:45:31: aber haben Sie nicht gemacht und war das teilweise meine Aufgabe?

00:45:35: Man muss sich ja irgendwie auch nützlich machen und du wirst als Analogin ganz oft irgendwie in so Positionen geschoben da geht's nicht drum.

00:45:41: irgendwie willst du da sein oder denkst du dass ist irgendwie der beste Ort um diese Forschung durchzuführen soll.

00:45:46: Du musst das machen was die Leute sagen.

00:45:49: Das ist jetzt deine Rolle hier hinsetzen.

00:45:52: Da ist Aufschreiben.

00:45:53: Und dann kann man natürlich immer sagen, so ne mache ich nicht.

00:45:56: Aber das sind genau die Sachen, die man sich halt sehr gut überlegen muss, weil du dadurch halt natürlich völlig andere Einblicke irgendwie bekommst in einer anderen Gesellschaft.

00:46:06: Präzisewolle ich wissen wann ist recht-recht dann?

00:46:09: Also im Kürkestern kannst du das relativ... Es geht nicht darum wann es recht-recht sondern welches Recht!

00:46:15: Und das siehst du zum Beispiel in der Art und Weise, wie die Leute irgendwie sprechen.

00:46:19: Weil wenn die den Staat meinen, zwitschen die ins Russische und reden nicht mehr von Milsamm.

00:46:24: Milsam ist gesetzt oder recht auf Kyrgyzisch.

00:46:27: Sondern ich sage Sakun!

00:46:28: Und zwitschern also ins Russischer.

00:46:31: Das ist quasi so ein Hinweis darauf, dass das was Sie jetzt irgendwie imaginieren halt auf einer staatlichen Ebene ist... wo es eben codifiziert ist, wo der Staat irgendwie in der Stadt sitzt.

00:46:43: Wo's ernst wird, wo man viel Geld braucht, wenn man irgendwie dahingeht und mühsam ist halt was anderes.

00:46:49: Und Sharia ist etwas anderes.

00:46:51: Dieses lokale Konzept, das ich untersucht habe, heißt Zalt oder Adat – dieses Überlieferte, da hast du einen arabischen Wortstamm.

00:46:59: Dann siehst Du, dass es quasi aus ganz unterschiedlichen historischen gesellschaftlichen Kontexten.

00:47:06: kommt und die Leute jonglieren damit.

00:47:09: Der ist wegen Rechtspluralismus, da gibt es nicht nur eine Vorstellung von Recht sondern es gibt ganz unterschiedliche.

00:47:14: Und wenn wir in Deutschland irgendwie genau hingucken würden, gäbe es die bei uns auch.

00:47:19: Das ist halt nur so dass der Staatsbegriff und der Rechtsbegriff bei uns einfach so stark miteinander verknüpft sind das, dass wir da eigentlich nicht für sensibilisiert sind.

00:47:28: Ich bin jetzt die ganze Frage auch in der Vorbereitung ob wir quasi diese ganzen informellen Regeln bei anderen und in anderen Kulturen, in anderen Teilen der Welt viel besser von außen erkennen können.

00:47:43: Und dann darüber quasi reden können, beschreiben können sowie du erforschen können.

00:47:49: Aber selber vielleicht nicht blind sind aber zumindestens bei uns selber diese informalen Regeln... Gut wir haben jetzt keine Chariah oder vielleicht gibt's da so ein Gewohnheitsrecht kannst ja gleich mal sagen?

00:48:00: Aber dass wir diese informale Regel bei uns gar nicht mehr sehen weil wir das zu verinnerlicht haben

00:48:07: Genau, also ich würde sagen es gibt auch hier eigentlich mehrere Rechtsordnungen.

00:48:14: Aber der Staat und dessen Rechtsordnung ist einfach so dominant dass man die anderen quasi auch nicht als Recht erkennt oder so wahrnimmt.

00:48:21: Das sind dann vielleicht irgendwelche Regeln oder Normen oder vielleicht wird's in den Wertbegriff gepackt.

00:48:29: Rechtsbegriff so, wie ich ihn verwende ist halt natürlich viel weiter.

00:48:33: Wenn ich das nur an einem codifizierten Dokument irgendwie festmachen würde dann wäre da in Kyrgyzstan auch viel enger.

00:48:38: aber ich guck halt anders weil die Leute selber halt quasi vehement sagen dass wir es hier gerade machen Das is unser Recht So wird es entschieden hier.

00:48:49: also so legen wir irgendwie die Konflikte bei und was da irgendwie in der Stadt passiert Es ist halt etwas anderes.

00:48:56: Wie oft musstest du bei so'n Sitzungen dabei sein, um ein Gefühl dafür zu bekommen wie das alles funktioniert.

00:49:04: Braucht man dann eine Weile?

00:49:06: Ja natürlich!

00:49:07: Also Feldforschung ist immer die absolute Überforderung am Anfang und ich sage immer allen Studierenden und Doktorierenden wenn sie gehen Sie müssen quasi die ersten Wochen so viel aufschreiben wie.

00:49:18: irgendwie geht nachts immer egal wie müde man es immer auf schreiben weil Man niemals mehr so sensibilisiert ist für all das, was man nicht versteht wie am Anfang.

00:49:30: Und das ist halt eine totale Ressource, ne?

00:49:31: Weil je länger du irgendwie bist, je mehr du irgendwie das Gefühl hast... Du bist irgendwie drin und du kennst es, desto weniger nimmst du halt wahr!

00:49:40: Das ist halt das Problem für mich zumindest mit Forschung im eigenen Land.

00:49:46: Also ich kann nicht gut Forschungen in Deutschland machen weil auf der einen Seite sehr fremd Aber ich bin zu nah dran.

00:49:54: Und ich finde es extrem erleichtern, wenn man in Kontexten forscht, wo man erstmal überfordert ist weil Dinge irgendwie nicht sofort verständlich sind.

00:50:04: Genau, Angst machen.

00:50:05: Ja, genau.

00:50:06: Intellektuelle

00:50:06: Angst machen so... Wir kommen ja gar nicht hinterher.

00:50:09: Genau, aber da bilden wir quasi unsere Studierenden total gut aus, finde ich ne?

00:50:13: Also es gibt zum Beispiel so Ethik-Richtlinien bei uns, so richtig Arbeitsblätter die wir mit den Studierendem durchgehen bevor sie überhaupt in die Forschung gehen.

00:50:21: natürlich haben die Methodenseminare und lernen erstmal ganz viel irgendwie aus Texten.

00:50:25: Aber wenn man wirklich anfängt zu forschen oder so dann musst du nochmal ganz anders irgendwie...

00:50:30: Da gibst du ein Handwerkszeug mit oder was?

00:50:33: Ja also nee das sind eigentlich so gerade jetzt bei Doktorieren denn weil die halt lange im Ausland sind oft, das sind wirklich so Reflektionsbögen.

00:50:40: Also was machst du in der Situation wo du dich überfordert fühlst?

00:50:45: Wo du das Gefühl hast, du kriegst nichts mehr mit, du kannst nicht mehr... Wenn die Situation entsteht, wo du Angst kriegts und solche Dinge.

00:50:52: Das sind alles Sachen, die wir irgendwie versuchen zu besprechen.

00:50:57: Was ist wenn ich Angst habe oder mich völlig überfordern fühle?

00:51:00: Was gibt es dir dafür Tipps?

00:51:02: Oder was gibt's da so fünf Tonen?

00:51:03: Ja,

00:51:04: also generell... Aber nur

00:51:05: schreiben.

00:51:06: Schreiben ist immer gut erstmal und dann muss man natürlich gucken woher kommt irgendwie die Angst?

00:51:10: Und das sind halt diese Sachen dass man Man lernt sich selber auf eine andere Art und Weise kennen in dieser Forschung eben weil es so oft an die Grenze geht.

00:51:21: Und deswegen musst du relativ stabil sein aber gleichzeitig sensibel genug um damit halt arbeiten zu können.

00:51:26: aber ich gebe den Leuten nicht irgendwie Keine Ahnung, wenn das passiert dann machst du das oder so.

00:51:31: Außer sie sind in einer Gefahrensituation zum Beispiel.

00:51:34: Also es ist klar dass wir so arbeiten, dass wir wissen wo sind die Notfallnummern?

00:51:38: Wo sind die Adressen?

00:51:39: Was sind die adressen der Eltern?

00:51:42: Weißt Du wo du hingehst?

00:51:43: werden keine Ahnung.

00:51:44: Leute gehen in Flüchtlings Camps forschen in Konfliktgebieten und so weiter.

00:51:49: also das sind auch große Verantwortung die man übernimmt.

00:51:52: aber im Endeffekt musst du das mit dir selber aushandeln in der Feldforschung und idealerweise mit den Leuten mit denen du arbeitest.

00:51:59: Also man ist ja nie so allein idealerweise, weil du ja mit Leuten arbeitest zu denen du dieses Vertrauensverhältnis aufbaust.

00:52:07: Und das sind Sachen die diskutiert man natürlich irgendwie.

00:52:09: Erkennst du bei deinen Studierenden?

00:52:12: Man muss schon stabil sein.

00:52:14: Wahrscheinlich psychisch stabil für sowas.

00:52:16: Erkennst du manchmal auch so... Du bist einfach nicht dafür gemacht.

00:52:20: Das ist vielleicht keine gute Idee oder kann das jeder?

00:52:26: Das Ding ist eher dass nicht jeder das will.

00:52:30: Und die Leute, die das wirklich wollen, die können es dann irgendwie auch.

00:52:34: Und dann gibt es manchmal natürlich irgendwie Vorstellungen mit, keine Ahnung von Themen oder so.

00:52:38: Wo wir sagen müssen, woa!

00:52:39: Also schreibt das mal irgendwie so zwei Ebenen tiefer oder so.

00:52:42: ne?

00:52:43: Wir schicken niemand in aktive Konfliktgebiete zum Beispiel.

00:52:47: Studierende haben manchmal die Vorstellung also Al-Qaeda ist total spannend gewesen.

00:52:51: Ich denke jetzt gerade an ein Beispiel vor einigen Jahren oder so... ich will jetzt irgendwie Al-qaeda irgendwie untersuchen.

00:52:57: Nein, das machst du natürlich nicht.

00:52:58: Ja

00:52:59: und was auch

00:53:01: mehr?

00:53:02: Miranma war total friedlich, als ich da war.

00:53:04: Werden wir gleich

00:53:05: darüber?

00:53:06: Ja genau!

00:53:07: Aber die Studierenden, die das wollen, können das

00:53:12: auch und

00:53:13: dann muss man halt am Methoden arbeiten an diesen Reflexionsfähigkeiten und dann eben wirklich an so Sachen wie für irgendwie drei unterschiedliche Tage Bücher und schreibe unterschiedliche Dinge rein und macht es jeden Tag.

00:53:26: Also Feldforschung ist die komplette Überforderung weil du tagsüber oder nachts, je nachdem was dein Thema ist.

00:53:32: Ständig quasi in Interaktion bist also ständig am zuhören und aufschreiben und Fotos machen und also in dieser Umgebung und dann musst du irgendwie auch jeden Tag Zeit finden um das alles aufzuschreiben und es noch irgendwie zu verarbeiten.

00:53:50: genau

00:53:51: wenn ich jetzt ein Student wäre und dahin fahre wo auch immer

00:53:54: kann ich dich

00:53:55: zur Not erreichen

00:53:57: und fragen

00:53:59: Frau Professorin, ich brauche Hilfe?

00:54:00: Ja auf jeden Fall.

00:54:03: Kannst du eigentlich helfen weil du ja quasi selbst vor Ort nicht weißt was los ist und die Situation gar nicht kennst?

00:54:11: Ich kann ja erstmal zuhören was das Problem ist und ganz oft geht es drum dass man halt überhaupt erst mal verbalisiert wo man gerade hängt.

00:54:17: also es ist nicht immer eine Notsituation sondern manchmal ist auch so das Studierende des Gefühle aber ich komme nicht weiter oder ich habe das Gefühl ich mache alles falsch oder ich krieg keinen Zugang weiß ich nicht, also zuhören ist total wichtig erstmal und dann findet man meistens im Gespräch irgendwie Lösungen.

00:54:34: Und Studierende oder Doktorierende sind es eigentlich oft nur die fordern unterschiedliche Dinge.

00:54:38: Manche wollen ruhig gelassen werden, manche wollen regelmäßige Gespräche.

00:54:42: Wenn ich in Berlin fertig bin hier mit meiner Forschung diese was ist heute genau in der Woche?

00:54:48: Dann besuche ich eine Doktorante im Feld zum Beispiel.

00:54:51: Wollte

00:54:51: ich nämlich auch mal wissen wo sind deine aktuellen?

00:54:54: Also im Moment, ich mache gerade viel Europa-Forschung.

00:54:58: Deswegen ist eine grade in Spanien und die andere es auf Corsica genau.

00:55:03: Okay.

00:55:04: Und wir versuchen sozusagen, die Leute, die in diesem Langzeitfeldforschung sind auch zu besuchen wenn sie das wollen.

00:55:10: Wenn Sie sagen ne, bleibt bloß zu Hause dann mach' ich das nicht.

00:55:13: aber...

00:55:14: Wo warst du zuletzt?

00:55:15: Wie hast Du zuletzt besucht?

00:55:17: Die letzten Doktorierenden waren tatsächlich in Myanmar.

00:55:20: Genau, da waren zwei Doktorierende in Myanmar und ich bin aber mit dem Buch quasi oder mit dem Manuskript zurück auch nach Myanmar um das Manusgript mit meinen Gesprächspartnern zu besprechen.

00:55:33: Das mache ich eigentlich auch oft bevor ich was veröffentlicht hätte sich das nochmal zurückbringen.

00:55:37: Zurückst du Kegisthen?

00:55:39: Wir waren ja quasi bei diesem Rechtspluralismus.

00:55:42: staatliches Recht, islamisches Recht sage ich jetzt mal Gewohnheitsrecht.

00:55:47: Wann kam denn zum Beispiel Islamisches Recht und nicht der Dorfrat, wo das Gewohnheitsrecht in Anwendung kam.

00:55:55: Weil dann was Religiöses im Spiel war ... Wann kommt was ins Spiel?

00:56:02: Dass staatlich quasi das letzte Mittel ist und alle vermeiden wollen, dass noch angemeldet wird.

00:56:06: Das haben

00:56:07: wir

00:56:07: verstanden.

00:56:08: Genau.

00:56:09: Aber wann kommt's?

00:56:10: Okay jetzt machen wir hier mal Scharia

00:56:12: Genau, und das ist das Spannende.

00:56:13: Das habe ich auch erst in der Feldforschung verstanden, dass zwischen dem lokalen Verständnis von Gewohnheitsrecht – was halt über dieses Konzept von Salz oder Arat irgendwie transportiert wird – und dem lokaalen Verständnissen von Sharia graduelle Unterschiede sind und dass unterschiedliche Leute unterschiedliche Dinge jeweils mit diesen zwei Rechtsordnungen verbinden und dass die extrem miteinander verknüpft sind eben weil die Menschen, mit denen ich geforst habe immer auch Muslime waren egal wie verboten das war.

00:56:45: Die durften halt nicht beten quasi, während der Sowjetunion.

00:56:48: es gab keine Moschee irgendwie wo sie hingehen konnten.

00:56:51: aber Muslim sein ist sozusagen Teil ihrer Identität und das hat nichts mit einer aktiven Religionsausübung zu tun.

00:57:00: meine Großmutter habe ich gesagt die hat irgendwie trotzdem fünfmal am Tag gebetet die war sehr straight Aber bei vielen anderen ist es der Identität und hat nicht, also das ist kein automatischer Wechsel in religiöses Raster oder so.

00:57:14: Und dann kriegst du halt irgendwie Aussagen.

00:57:16: Also ich fällt jetzt gerade eine ein wo der älteste und ich wir sind irgendwo rumgelaufen.

00:57:21: er hat gesagt okay wir dürfen aber nicht den gleichen Weg wieder zurückgehen man muss einen anderen Weg zurück gehen.

00:57:26: so ist es in der Sharia.

00:57:29: Man geht nicht den gleichen Weg rückwärts sondern muss am besten rundweg laufen.

00:57:35: Das ist Sharia So, und jetzt kannst du nirgendwo nachschlagen.

00:57:39: Und dir überlegen aber wo steht es denn?

00:57:43: Wer sagt das dann oder so?

00:57:45: Er sagt das!

00:57:46: Und da muss ich da halt irgendeinen Sinn draus machen.

00:57:50: Ja, ist das in einfach... Ich frage mich die ganze Zeit.

00:57:53: Wo ist denn die ganze Willkür?

00:57:55: Also quasi der oder die sagt es jetzt so?

00:57:59: Das

00:57:59: ist Traditionen bei uns im Dorf, dass wir das so machen.

00:58:01: Das

00:58:01: kann man sicher bei keine Ahnung.

00:58:03: zwei Anwälten die sich irgendwie streiten auch fragen auch wenn du den Willkürbegriff nicht verwenden würdest.

00:58:09: aber bei uns wird recht auch die ganze Zeit interpretiert.

00:58:13: also gibt ja irgendwie diesen Spruch zwei Juristen drei Meinungen und ne?

00:58:18: Also ohne Interpretation ist bei uns auch kein Recht.

00:58:20: Aber bei uns steht irgendwo

00:58:23: ein Gesetzbuch.

00:58:24: Das muss man dann

00:58:25: interpretieren.

00:58:26: Bei uns gilt es halt wenn's irgendwo steht.

00:58:29: Bei anderen gilt es, wenn's jemand sagt.

00:58:31: Und dann ist nicht irgendjemand, sondern jemand der halt gehört wird.

00:58:35: Also ihr habt viel zur Autorität gearbeitet und Autoritet ist quasi ... Nicht wenn du irgendein Amtinner hast, sondern Autorität ist, wenn die Leute zuhören.

00:58:44: also der Respekt den dir andere zollen Der macht dich zu einer Autoritätsnichtesamt unter Titel

00:58:51: Warum hört man denn jemandem zu?

00:58:52: Und schenkt der Person Autoritat.

00:58:55: Weil die zum Beispiel gut sprechen kann und weil sie sich jetzt in so einem Rhetorisch genau und weil die in einem Gerichtskontext sich als fair irgendwie gezeigt hat, weil ihr alle Seiten anhört.

00:59:07: Weil die versucht Kompromisse zu schießen geht sehr viel über Kompromiss natürlich in Gesellschaften wo Leute sich nicht aus dem Weg gehen können oder jeden Tag im Endeffekt wieder mit den Leuten zu tun hast.

00:59:23: Meine Anfänge Lokaljournalismus, damit lernst du auch am allerbesten wie man journalistisch arbeitet.

00:59:27: Weil du könntest jeden Morgen einen beim Bäcker oder auf der Straße sehen über den Du vorher geschrieben hast und da sagt er dann als Allererstes was mein Name falsch geschrieben wurde mich falsch zitiert.

00:59:37: genau

00:59:38: das sind so die Grundlagen die man lernt aber selbst des quasi dass die Person wahrscheinlich immer Mann oder meistens Männer, oder was?

00:59:48: In den Dorf ja.

00:59:49: In der Stadt witzigerweise nicht in der Stadt habe ich deswegen diese Stadtforschung gemacht.

00:59:52: es war nur so eine kleine Vergleichsforschungen der Stadt gab's tatsächlich irgendwie ältesten Gerichte die waren teilweise nur mit Frauen besetzt und ich war sogar in einem.

01:00:00: da war keine einzige Kegi-Sin.

01:00:01: das waren irgendwie alles Frauen.

01:00:03: die hatten andere ethnische Hintergründe die waren Russen und Tataan und Kasachen und genau aber die haben sich diesen Aksakall Titel irgendwie.

01:00:14: Wie unterscheiden

01:00:14: sich diese Frauenräte dann?

01:00:16: Klären die auch nur die Probleme der Frau.

01:00:18: Nein, nein das war also.

01:00:19: das unterscheidet sich dahingehend dass die Probleme halt in diesen Mikro-Rejons, also in diesem hoch in den alten sowjetischen Hochhäusern andere sind als halt auf dem Dorf.

01:00:30: Also da gibt es keine Ahnung.

01:00:32: das Hauptproblem da war eigentlich Dass du irgendein Wasserbruch hattest und die Wohnung überflutet war oder so.

01:00:39: Aber das Interessante für mich war halt ist die quasi in diesem Idiom dieses neo-traditionellen ältesten Gericht, was es eigentlich erst seit Anfang der Neunziger so gab.

01:00:49: Weil das ist so nie gab in der Vergangenheit.

01:00:52: Dass das aber irgendwie die Form war, indem diese lokale Streitschlichtung irgendwie

01:00:58: passiert ist... Haben Sie sich denn über Jahrzehnte dann quasi gemerkt wie das vor der Sowjetunion war?

01:01:04: So dass sie nachdem das zusammengebrochen ist, die wurde unabhängig worden und gemerkt haben, das brauchen wir jetzt?

01:01:11: Was halt tradiert wurde, ist quasi genau dieses Verständnis.

01:01:15: Also dass wir Dinge auf unserer eigene Art und Weise regeln.

01:01:18: Wir haben Salt, wir haben Chariah.

01:01:21: Wie Ehren die Ältesten aber nicht einfach jeden Deps sondern dann die, die gut sprechen können.

01:01:28: Du hast eine ganz starke verwandtschaftliche Organisationen.

01:01:30: das sind Prinzipien.

01:01:31: die waren die ganze Sowjetunion immer da.

01:01:34: Die Leute mussten das halt...

01:01:35: Haben sie auch nicht heimlich gemacht?

01:01:40: Es gab halt Konfliktschlichtungen, irgendwie aber nicht in diesem ältesten Radformat.

01:01:45: Also das ist eigentlich ein westliches Gerichtskonzept was aber jetzt quasi innen drin mit diesen kegisischen Prinzipien irgendwie funktioniert.

01:01:55: Es gibt sogar bei unserem Bundestag auch einen ältisten Rat.

01:01:59: Die Regeln wahrscheinlich haben ganz wenige Sachen.

01:02:03: Genau, aber so die Idee... Also dann kommst du irgendwann halt aufs Parallel.

01:02:08: So die Idee das Alter irgendwie weiß machen... Ich glaube, wenn die Legislaturperiode

01:02:12: beginnt und früher war es mal der älteste Abgeordnete, da haben sie sich immer geändert wegen Gauland

01:02:16: usw.,

01:02:19: Der oder die Abgeordnete mit der längsten Mandatzeit.

01:02:22: Also eine gewisse Rolle hat das Alter immer noch,

01:02:24: ne?

01:02:24: Ja ja klar!

01:02:25: Ich meine du kannst Deutschland und alles was wir tun kannst du komplett natürlich mit der gleichen ethnologischen Methodik irgendwie durchanalysieren wie ein Dorf in Kyrgyzstan.

01:02:35: also das ist genau so fremd.

01:02:37: ich will

01:02:37: eken zentral.

01:02:38: also ich hatte schon Forscherinnen haben die quasi über Deutschland Konfliktforschung gemacht.

01:02:43: Ja, also es gibt Leute die haben ihre Abschlüsse hier gemacht.

01:02:46: Also es gibt viele Zentral-Asiaten, die auch in Berlin an der HU zum Beispiel gibt's ein Zentralasien-Seminar.

01:02:52: Fragen dich denn die Kegisen mit denen du dann da redest quasi bei dem Dorfgericht oder wenn irgendwas passiert ist und lange Zeit da bist fragen den auch mal wie ist das bei dir zu Hause?

01:03:07: Wie fremd ist das für dich musst du nochmal erklären und wie viel musst du da erklären?

01:03:12: Genau, die Fragen dann schon.

01:03:13: Also ich glaube man findet auf YouTube irgendwie so einen dreizehnminütigen Dokumentarfilm den ich damals gemacht habe wo der älteste irgendwann halt in die Kamera schaut und dann irgendwie zu mir sagt was würden denn die Deutschen sagen hier?

01:03:29: also er wusste irgendwie nicht weiter es gab irgendwie ein Konfliktfall mit einer Mauer die schief gebaut wurde.

01:03:37: Dann hat er irgendwann gesagt, so jetzt entscheid du doch mal.

01:03:39: Was würden Deutsche denn machen in dem Kontext?

01:03:42: Und dann habe ich mich halt irgendwie rausgerät oder so.

01:03:44: aber du bist natürlich je länger du dabei wirst, desto mehr bist du halt Teil des Ganzen und du kannst auch nicht dich komplett irgendwie raushalten.

01:03:51: Deswegen habe ich irgendwann die Rolle vom Protokollanten sozusagen übernommen und hab dann hinter drüber nachgedacht dass es total witzig ist weil sie mich eigentlich wieder in diese russische Ethnographenrolle gesteckt haben.

01:04:01: So schreib du mal auf was wir hier an Gewohnheitsrecht machen Genau.

01:04:06: Was ist, wenn quasi das Konflikt zwischen zwei Mitgliedern aus unterschiedlichen Dörfern gibt?

01:04:11: So dass dann theoretisch zwei verschiedene Dorfrede zuständig werden.

01:04:16: Wie wird das geklärt?

01:04:18: Damit fängt tatsächlich mein Kyrgyzstan-Buch an weil diese zwei Dörfer irgendwie zwar sehr ähnlich waren und auch jeweils den ältesten Gericht hatte aber die beiden leitenden Ältesten sehr unterschiedliche Typen waren so in Sicht teilweise auch nicht so sehr mochten.

01:04:34: Und da gab es irgendwie einen Fall, wo keine Ahnung.

01:04:37: Ein Dorfbewohner aus dem unteren Dorf, ich glaube das Pferd von einem Dorf Bewohner aus den oberen Dörfen irgendwie totgefahren hat und so.

01:04:46: Dann kam halt quasi beide Rähte zusammen und dann wurde auf der Straße irgendwie entschieden und die Lösung war man muss das Pfert schlachten weil das lebte noch.

01:04:59: Man muss das Fert schlachen denjenigen, der es verloren hatte und der andere musste dann irgendwie noch Strafe zahlen oder so.

01:05:06: Also das gibt's auch.

01:05:08: Ich weiß nicht ob du, wenn du bist im Wuppertal geboren, aber ob die mir auf dem Land aufgewachsen hat bis ich komme ja auch aus einem Dorf.

01:05:14: Theoretisch kann man sich das dieser Art von Lösung und Rechtsprechung?

01:05:19: Theoretische kann man sie sich das auch bei uns?

01:05:21: Natürlich!

01:05:21: Mir fällt zuvor zwei alte Dorfopers bei uns ein... Also, so wie du es beschreibst.

01:05:28: Perfekt dafür gemacht und ich kann mir das sogar vorstellen, dass man dann irgendwie ... Ja, wir holen jetzt mal nicht die Polizei hier keine Ahnung.

01:05:35: Deine Hunde haben unsere ... So was bei uns immer.

01:05:37: Die Hunde hat die Hühner getötet usw.

01:05:40: Und da muss da irgendwas geklärt werden.

01:05:42: Normalerweise hast du den Polizei gerufen, die haben auch wenig Ahnung davon gehabt.

01:05:46: Aber theoretisch wäre das doch bei uns

01:05:49: möglich?

01:05:50: Eigentlich schon genau!

01:05:53: Das Interessante ist halt, warum macht man es nicht?

01:05:55: Also warum schreibt man quasi bei jedem Zweig da über einen Gartenzaun wächst oder bei jedem Gartenzwerg der zu nah am Zaun steht oder so direkt irgendwie ans Amt.

01:06:03: Ja also wir haben einfach ein völlig anderen Umgang und auch ein anderes Verständnis sondern eine andere Erwartung an das was der Staat irgendwie tun soll oder wer der Staat ist.

01:06:12: Genau

01:06:13: das wollte ich... Geht's um Autorität, sodass man quasi immer sagt Wir melden, das ist ja normal, wir melden nach

01:06:20: oben

01:06:21: Der Deutsche Meldet nach oben?

01:06:24: Das ist halt, also ich würde sagen es ist halt ein Glaube an Autorität.

01:06:30: Genau.

01:06:31: Glaube?

01:06:32: Glaube!

01:06:32: An Autoritet weil ganz oft passiert halt nüscht wenn der Gartenswerk zu nah am Zaun ist aber man meldet's halt trotzdem weil die Erwartung ist dass von oben einer kommt und sagt so nicht.

01:06:46: Also der Glaube daran ist.

01:06:47: da würde ich sagen Und in Kyrgyzstan ist genau umgekehrt.

01:06:50: Die glauben überhaupt nicht dran Die wissen ganz genau, was irgendwie in der Stadt passiert.

01:06:55: Aber basierend darauf, weil diese Korruption so forschend ist?

01:06:59: Weil man das weiß und wir hier glauben, es ist bei uns halt nicht so?

01:07:04: Ja, und das ist auch ganz abgeklärt.

01:07:07: Also Korruption ist sozusagen auch im Parlament in Kyrgyzstan oder in der Regierung sitzen im Endeffekt die Verwandten.

01:07:19: Es sind halt nur die Verwandten der anderen im Zweifelsfall.

01:07:22: Wenn's deine eigenen sind, dann gehst du natürlich dahin bzw.

01:07:25: es sind deine eigenen weil vorher die verwandten im Dorf waren und gesagt haben okay ich baue euch irgendwie zwei Kilometer die Dorfstraße weiter aus oder okay jeder kriegt fünf tausend dollars.

01:07:38: oder was war gerade das Angebot in USA?

01:07:42: Und die sind da halt sehr offen.

01:07:43: Deswegen, wenn ich solche Nachrichten halt lese... Also wie das zum Beispiel jetzt mit dem USA-Weihspiel, also Trump verspricht irgendwie fünftausend US-Dollar, weil man ihnen wählt oder so.

01:07:54: Wenn man das in Kirgis dann erzählen würde würden sie sich halt totlachen.

01:07:58: Weil es halt so dilettantisch ist.

01:08:00: Die würden das halt irgendwie transparent machen und verhandeln und sagen okay was gibt's uns noch?

01:08:07: In dem Moment wo Leute in Machtpositionen im Staat sind dann haben die quasi ihre ganze Verwandtschaft hinter sich stehen.

01:08:16: Und die halten halt die Hand auf.

01:08:18: und das ist aber so, es ist bei allen so.

01:08:20: Das ist einfach das Prinzip.

01:08:23: Das is auch Staat!

01:08:27: Was findest du jetzt einfach mal?

01:08:29: Was ist denn Kyrgyzstan von Staat, was ist das für ein staatliches Modell ... Diktatur und Liberale Demokratie?

01:08:36: Wenn du die Kirgisen fragst und sagen sie das natürlich in Demokratie.

01:08:40: and who am I to say it's not?

01:08:42: Also der Demokratiebegriff, den man irgendwie lernt als Ethnologin.

01:08:48: Wenn man viel in nicht- europäischen Kontexten arbeitet ist das sehr viel weiter ist als dass wir da drunter verstehen und dass die Leute natürlich damit auch spielen.

01:08:58: ja also weil sie natürlich wissen wenn Sie diesen demokratischen Anschein sich geben wenn sie die Institution haben dann kommen zum Beispiel auch Gelder irgendwie um halt Demokratisierung weiter voranschreiten zu lassen, dann haben sie irgendwie eine Stimme.

01:09:14: Dann können Sie internationale Verträge abschließen und so weiter.

01:09:18: Und das ist jetzt nicht nur Kyrgyzstan, sondern überall.

01:09:24: Und alle machen es eigentlich so.

01:09:26: Also das was Demokratie irgendwie...

01:09:28: Was verstehen die darunter?

01:09:30: Die verstehen da drunter das, was jetzt dieses staatliche Modell irgendwie ist.

01:09:33: Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, was sie halt auf lokaler Ebene selber machen.

01:09:39: Aber das ist die Hülle in der der Staat Kyrgyzstan existiert.

01:09:44: Wir haben hier Forschung von einer repräsentantiven Demokratie, wir wählen das Parlament.

01:09:49: Das gehört dazu dass es quasi friedliche Machtwechsel gibt.

01:09:53: Wenn die Opposition die Wahl gewinnt dann die jeweilige Regierung die den Austritt übergibt dann quasi friedlich die Ämter.

01:10:00: Das wird der Gewinn endet nicht in Gewalt.

01:10:02: Dann hatte drei Regierungsstürze seit der Unabhängigkeit.

01:10:07: Also eine war richtig Revolution und die beiden anderen waren eigentlich nur Sturz der Regierung, aber das passierte halt, also wenn sie quasi das übertreiben dann knallt es halt.

01:10:20: Und das war... also Kyrgyzstan hat einen interessanten Ruf in der Zeit, in der ich Forschung gemacht habe als auf der einen Seite wurde's irgendwie die Schweiz Zentralasiens genannt Weil es halt eben der demokratische Staat war, der offen war und das war auch total wirklich toll.

01:10:36: Also das war eine ganz tolle Zeit in der ich da geforscht habe weil ganz viel passiert ist und gerade die junge Bevölkerung da echt so einen Aufschwung irgendwie gespürt hat.

01:10:46: Und jetzt seit vier fünf Jahren oder so geht es immer mehr in Richtung Autokratie wieder.

01:10:52: Die schaffen gerade zum Beispiel die ganzen extrem fantastischen unabhängigen Zeitungen und Medien ab, das wird immer repressiver.

01:11:00: Und so Leute werden inhaftiert und gleichzeitig hast du halt eine ganz patriarchale Bewegung die halt aus dem Land auch kommt, die extrem frauenfeindlich ist also fast keine Frauen mehr im Parlament und genau deswegen wird es zunehmend schwieriger da halt zu arbeiten wie ich das noch gemacht habe vor fünfzehn Jahren.

01:11:23: aber das nennt sich immer noch Demokratie.

01:11:26: Also da werden die auch ein Teufel dran tun, das jetzt irgendwie anders darzustellen.

01:11:30: Die DDR haben wir auch von der Deutschen Republik gesprungen auf dem Papier.

01:11:34: Genau also es gibt viele Staaten wo du wenn du genau hinguckst dann passiert einfach was anderes.

01:11:38: und genau diese quasi pluralistische Herangehensweise an Konzepte die scheinbar so universell und einfach zu definiert sind Das ist das was ich spannend finde.

01:11:50: Ist ja

01:11:50: bei uns auch im Westen auch in westlichen Staaten Deutschland.

01:11:54: Amerika noch viel mehr, wo wir von Demokratie sprechen aber sehr viele oligarchische Strukturen haben.

01:12:00: Gibt es dort auch?

01:12:04: Ich habe

01:12:05: die ganze Zeit auch ... Turkmenistan ist ja auch irgendwie so ein ehemaliger Sallidenstadter.

01:12:09: So wie jetzt da Hashtag glaube ich seit Jahrzehnten.

01:12:11: Diktator und so weiter.

01:12:13: Turkmenistan kommst du nicht rein.

01:12:14: zum Beispiel, Turkmenstan ist eines der Länder wo es absolut unmöglich ist.

01:12:17: Der wollte ich mal fragen.

01:12:19: Das interessiert mich ja das alles aus Gold?

01:12:21: Also wir haben mit Kollegen irgendwie einen Sammelband rausgegeben vor einigen Jahren schon zu Ethnografie des Staates in Zentralasien.

01:12:30: also alle Leute die zur Staat arbeiten haben halt einen Buch zusammen raus gegeben und da haben wir Turkmenestan als the present absence genannt.

01:12:37: irgendwie Keine Ahnung, die Anwesenheit, die nicht da ist oder so.

01:12:42: Weil es einfach ein Loch ist.

01:12:44: Es gibt überhaupt kein Wissen.

01:12:45: Es kommt niemand rein und du kannst keine qualitative Forschung machen.

01:12:51: Wenn du reinkähmst würdest du die ganze Zeit nur beschattet oder kontrolliert werden.

01:12:57: Du würdest Leute auch in Gefahr bringen wenn du versuchen würdest irgendwie ... Ich denke

01:13:03: ganz an Nordkorea.

01:13:04: Genau das

01:13:05: ist so.

01:13:06: Es gibt keine Quartettiebeforschung über Turkmenistan.

01:13:11: Jemand gesehen, der war da als Tourist und wurde eingeladen das größte Loch der Welt wo es brennt oder so ist glaube ich in Turkmenestan.

01:13:21: Touristen sind okay.

01:13:22: Ich

01:13:23: grabe Touristen ja und die werden dann aber auf diese bestimmte Wege geleitet und immer in Begleitung und so kannst du natürlich eine

01:13:29: Forschung machen.

01:13:32: Genau und das sollte man auch nicht versuchen, also das macht irgendwie auch niemand bei uns im Fach.

01:13:37: Dass man dann irgendwie so Klandestin oder halt unter falschem Vorwand... Das wollte

01:13:42: ich nämlich auch noch fragen!

01:13:43: Das ist zum Beispiel eine Sache wo wir über diese Ethik-Diskussionen irgendwie uns glaube ich sehr, sehr einig sind im Fach?

01:13:52: Also dass wir nicht versteckt beobachten.. beobachten tut man immer irgendwie so bisschen versteckt.

01:13:58: aber dass wir nie versteckt forschen

01:14:02: Hey Leute, politischer Journalismus muss nicht kommerziell oder öffentlich-rechtlich sein.

01:14:07: Podcasts müssen nicht durch grässliche Werbung finanziert sein.

01:14:11: Jungen naive ist der beste Beweis dafür!

01:14:13: Damit das so bleibt unterstützt uns einfach finanziell.

01:14:16: Danke vorab.

01:14:17: und jetzt geht's weiter... Weil die Stadt die Repression das nicht will?

01:14:30: Ja, aber du würdest niemals irgendwie an die Art von Daten kommen oder an die art von Material mit dem wir eigentlich arbeiten wollen.

01:14:38: Das erfordert immer dass Du irgendwie eins zu eins über lange Zeit mit Leuten sprichst oder in kleinen Gruppen oder halt vom Jahr aus eben auch im Dorfkontext wo jeder Dich aber sehr gut kennt und Du die Leute dann auch sehr gut kennst.

01:14:50: Und es geht halt nicht.

01:14:52: Also Du musst dich selber quasi eigentlich öffnen als Person, du kannst nicht irgendwie neutral oder tabularaser sein.

01:14:59: Du musst zeigen wer du bist und dann kannst du herausfinden, wer die anderen

01:15:04: sind.".

01:15:04: Und genau das geht halt nur wenn da genug Freiheit und Sicherheit ist halt auf beiden Seiten.

01:15:10: Ich

01:15:10: habe mich auch gerade gefragt sagen sagt der chinesische Staat dann machen wir es mal so ein Interview hin an Botschaft oder so weiter vorbei.

01:15:17: also kommen sie immer vorbei.

01:15:19: was wollen Sie eigentlich?

01:15:20: Erzählen Sie mal.

01:15:20: Vielleicht nach dem Termin heute oder so, ich weiß es nicht.

01:15:26: Das interessiert die nicht?

01:15:28: Ich war jetzt ein paar Jahre nicht mehr in Kölkistan.

01:15:34: Wenn man Forschung macht gibt's ja ganz oft Forschungsvisa.

01:15:37: Es gibt eine eigene Kategorie von VISA für fast alle Länder, die halt für Leute wie mich zum Beispiel irgendwie vorgesehen sind und die versuchen wir natürlich zu bekommen.

01:15:48: Es kann sein, dass jemand mal mit dem Tourismus irgendwie zwei Wochen ein Land anschaut oder so.

01:15:53: Aber sobald du wirklich stationäre Feldforschung machst musst du dich halt absichern – ganz oft geht das auch über Hochschulkooperationen.

01:16:00: Also ich war zum Beispiel immer an einer lokalen Institution in Kyrgyzstan eingebunden und ich war sehr lange in Myanmar an der Universität offiziell eingebundet.

01:16:09: Wir versuchen es natürlich über die offiziellen Wege zu machen.

01:16:13: Das ist für beide Seiten.

01:16:16: Wichtig, also für dich selber aber auch für die Leute mit denen du arbeitest.

01:16:20: Zurückst du mal zu diesen Dorfreden wo gewohnheitsrecht oder Scharia oder eine Zunot natürlich der Staat und Spiel kommt?

01:16:28: Wir hatten das ganze über diese Konflikte geredet.

01:16:31: Irgendwas ist passiert oder irgendeiner streitet sich miteinander.

01:16:33: Aber es gibt ja manchmal auch andere Arten von Regelungsbedarf.

01:16:38: Eine Alltagsordnung weil man, weil irgendwelche Leute irgendwas beobachten und meinen okay dann müssen wir jetzt mal neu darüber verhandeln, neu darüber reden.

01:16:47: Vielleicht hast du mal bei Beispiele uns zu sagen wie wird das denn geregelt?

01:16:51: Also dass quasi auch so antizipiert Regeln die quasi oral weitergegeben worden sind wo dann irgendwie ein Dorfmitglieder sage so ja also Da müssen wir drüber reden.

01:17:04: Bevor da jetzt ein Konflikt enthörschen, müssen wir das neu regeln?

01:17:07: Ja genau!

01:17:08: Das ist gar nicht so anders als bei uns in der Kommunalverwaltung.

01:17:12: Zum Beispiel hast du jedes Frühjahr bevor die Herden auf die Weiden gehen, hast du halt ein großes Dorf-Meeting wo dann aus der Familie jeweils eine Person hingeschickt wird und dann werden die Routen besprochen es wird besprochen was passiert wenn... viel sozusagen irgendwelche Ecker auf dem Weg hoch irgendwie zerstört, wie die Entschädigung ist.

01:17:33: Was passiert wenn irgendwas gestohlen wird und so weiter?

01:17:35: Also Verwaltungsordnung oder so gibt es natürlich auch also... Das ist gar nicht so anders bei uns.

01:17:43: Und diese Sache mit dem Konflikt in der Reichsethnologie gab's irgendwann einen AHA-Effekt wo wo Leute irgendwie gemerkt haben, Moment wir haben ein totalen Konfliktfetisch.

01:17:56: Wir gucken immer nur irgendwo hin wenn es knallt.

01:17:59: so was ist denn eigentlich in den ganzen Situationen wo Leute keine Konflikte haben und dann hat man irgendwie davon abgesehen immer nur zu warten bis irgendwas eskaliert und hat die ganze Zeit vorher und nachher eben auch mit angefangen einzubeziehen aber erst eigentlich so ab dem späten achtziger jahren.

01:18:17: also vorher war das ganz stark auf konflikte Forschung Fokussiert und danach, das war eigentlich in Kyrgyzstan so ein bisschen der Hauptpunkt von der Forschung.

01:18:28: Weil ich habe gar nicht so viel die Konflikte untersucht sondern ich hab halt hauptsächlich untersucht warum die Leute die ganze Zeit versuchen Konflikte zu vermeiden und wie sie das tun Und was da irgendwie das Idiom ist indem es passiert weil die nämlich die ganze zeit von Intemac geredet haben.

01:18:42: Intemak ist Harmonie.

01:18:45: So und das hat mich am Anfang total irritiert, weil ich dachte, ich bin doch hier auf dem Dorf um Konfliktforschung zu machen und die reden die ganze Zeit von Harmonie.

01:18:52: So, Ich bin im falschen Dorf!

01:18:54: Ich muss irgendwie ein anderes Dorf suchen.

01:18:57: Und du hast Harmonieforschung

01:18:58: gemacht?

01:18:59: Genau, das sind halt so Sachen, die passieren in der Feldforschungen.

01:19:02: Das kannst du vorher nicht abschätzen.

01:19:06: Du musst in die Feldfassung gehen und dann entscheiden die Leute was relevant ist und dann musst du halt in der Lage sein dein Thema irgendwie... um zu ändern, idealerweise nicht komplett hinzuschmeißen.

01:19:17: Aber du musst quasi so sensibel sein dass du nicht darauf behaust das nur die Konflikte anguckst zum Beispiel.

01:19:23: Du musst das ganze drum herum irgendwie auch erfassen und es hat notwendigerweise dann zu einer Verschiebung geführt in der ganzen Forschung.

01:19:29: Was war jetzt am Ende denn das Thema deiner Dissertation?

01:19:32: Am

01:19:32: Ende also das Thema der Disserteition...

01:19:34: Bist wahrscheinlich mit über das andere mal

01:19:36: reingegangen?

01:19:36: Genau ich bin rein gegangen irgendwie mit dieser Neugier auf dieselbsten Gerichte und ich bin rausgekommen Mit einem Buch, wo ich glaube ich ganz gut erkläre warum aus der Perspektive der Leute mit denen ich gearbeitet habe deren Konzeption von Gewohnheitsrecht wichtiger ist als der Staat oder eben auch diese Vorstellungen von Sharia.

01:19:57: Also es heißt The Force of Custom also die Macht der Gewohnheit.

01:20:00: im Endeffekt

01:20:03: Hat das auch Schwächen?

01:20:05: Was denn mein Buch?

01:20:06: Nein aber diese diese Macht der gewohnheit Aus

01:20:12: deiner Sicht.

01:20:13: Du hast vor Ort gesehen, das ist nicht mit unserer Abrille aber haben die zum Beispiel auch gefragt klar man könnte den Staat anrufen und höher melden.

01:20:22: Das ist so ein allgemein...

01:20:24: Ja ich meine also es ist halt ne?

01:20:27: Also es ist schon quasi in sozialer Kontext indem man versucht Sachen zusammenzuhalten und das heißt Ein totales Ausbrechen ist halt schwierig.

01:20:38: Also jetzt grad sagen wir mal irgendwie eine junge Frau, die nicht verheiratet werden möchte und Kinder kriegen oder so sondern in die Stadt gehen.

01:20:48: Da kommt es ganz stark auf die Familie an ob das gewollt ist oder nicht.

01:20:52: Und da muss man selber sehr stark sein als Persönlichkeit durchzusetzen weil es eigentlich nicht vorgesehen ist.

01:20:57: Also Frauen gehen irgendwie in die Staat und sie haben auch einen Beruf aber hören dann sofort auf quasi sobald sie verheeratet.

01:21:05: Und das Interessante ist, dass mit dieser Arbeitsmigration nach Russland ganz viel Bewegung da reingekommen ist.

01:21:10: Also ich habe ja quasi Anfang der Zweitausender geforscht und jetzt die Kontakte noch mit den Enkeln, also mit der Enkelgeneration, die alle jetzt aber halt auch schon erwachsen sind von dieser Enkel-Generation, dieser Dorf.

01:21:25: Leute, mit denen ich gearbeitet habe waren alle in Russland.

01:21:28: Also die haben alle quasi, so wie ich irgendwie meinen Auslandsjahr in Amerika gemacht habe.

01:21:33: Haben die ihr Auslands-Jahr in Russland gemacht und haben alle da gearbeitet.

01:21:38: Und sind alle auf Instagram natürlich oder auf anderen sozialen Medien.

01:21:42: das heißt mit denen bin ich halt so verknüpft und ich sehe dann immer Bilder aus St.

01:21:45: Petersburg und Bilder von Moskau.

01:21:49: also das ist quasi das Ausland.

01:21:51: Andere reisen auch noch weiter und diese Öffnung über diesen Arbeitsmarkt kamen die gab es zehn Jahre vorher überhaupt nicht.

01:22:00: Und das Interessante ist jetzt, was passiert jetzt halt?

01:22:02: Weil das wird gerade quasi wieder in eine andere Richtung sich entwickeln.

01:22:07: In unseren Gesellschaften im Westen spielt das Privateigentum eine große Rolle.

01:22:12: Dazu ist unter anderem die staatliche Ordnung da damit das groß und ganzen garantiert wird.

01:22:16: Die Polizei ist dafür, dass das Privateigentum gerade der Reichen besonders geschützt ist.

01:22:23: Welche Rolle spielt das Privateigentum in diesen Gesellschaften?

01:22:27: Ist das alles so familiär?

01:22:30: Ja genau, also es ist auch privat im Sinne von dass es nicht dem Staat gehören sollte.

01:22:37: Aber es ist kollektiver organisiert als dass die Familie eine viel stärkere Rolle spielt und viel stärker Zugriff hat auf wenn man Geld hat.

01:22:48: Also wenn man dann Geld hat muss man auch geben aber wenn du keins hast und du brauchst, dann kriegst du halt auch.

01:22:55: eine andere Art des Sozialsystems, das über die Verwandtschaftsbeziehung abgefedert wird.

01:23:01: Nicht nur auch über zum Beispiel Klassenkameraden und das ist wiederum so ein sowjetisches Prinzip.

01:23:07: also die Leute mit denen du den Schulabschluss gemacht hast diesen Zeit deines Lebens sind extrem wichtig.

01:23:12: Die werden zu allen großen Feiern eingeladen und bringen halt immer Geld.

01:23:17: Also das sind so Netzwerke die quasi ... schützen, absichern die aber auch total stressig sind.

01:23:23: Das ist auch eine Sache die ich untersucht habe weil... natürlich auch da quasi Sachen geregelt werden müssen.

01:23:28: also wer gibt wann wem was und kriegt wann etwas zurück?

01:23:32: und so ne?

01:23:32: Aber durch diese Abhängigkeitsbeziehung... ... federst du halt Sachen ab.

01:23:39: Also es ist halt einfach komplett anders organisiert als wenn du bei uns einen Kredit bei der Bank holst oder so.

01:23:44: Du holst einen Kredit bei deinem Klassenkameraden zahlst den halt entweder irgendwann zurück oder du zahlts ihn ab.

01:23:51: Oder du gibst ihm irgendwann einen Schaf, was auch immer.

01:23:58: Welche Rolle spielt Reichtumarmut?

01:24:02: Gibt es diese Streben besonders reich zu gelben?

01:24:04: Ja, ja.

01:24:04: Die Kapitalisten stehen

01:24:05: da nicht mehr her.

01:24:06: Ja, ich meine Kegisen waren extrem reich.

01:24:08: Die hatten früher sehr große Herden bevor die Russen das alles dezimiert haben und in die Kolchosenform gepresst und so.

01:24:15: Also Reichtum und Prestige und so ist total wichtig!

01:24:19: Ich habe nie so große Hochzeiten und irgendwie Feste gesehen wie in Kyrgyzstan.

01:24:24: also wird unglaublich viel Geld irgendwie investierte.

01:24:28: In die soziale Beziehung aber nicht in die einzelne Person.

01:24:32: Ja, spannend.

01:24:34: Du warst insgesamt glaube ich in zwei Dörfern, habe ich jetzt gelesen?

01:24:38: Genau die sind dabei direkt also dieses Nachbardörfer.

01:24:40: Also ich hab in einem gelebt und bin dann immer im anderen so hin und her gelaufen oder mit dem Esel oder dem Pferd

01:24:46: Im Esel?

01:24:47: Ja Also fünf Kilometer irgendwie ist nicht soweit.

01:24:52: Das war noch eine Zeit als wir quasi Esel, Kamele, Pferde und so als Feldforschungsfahrzeuge irgendwie bezahlt gekriegt haben.

01:25:04: Wie bist du mir mal gelandet?

01:25:06: Du warst auch in Indien und Frankreich, habe ich gesehen.

01:25:08: Genau das sind eher Forschungsaufenthalte gewesen.

01:25:11: Im Januar habe ich quasi... also in der Wissenschaft ist es so dass wir halt zumindest im deutschen Kontext war es lange so dass man wenn man in der wissenschaft bleiben will dann noch ein zweites buch schreibt oder halt habilitiert.

01:25:25: Das heißt du wirst in der Ethnologie eigentlich entweder ... alten Feld und muss aber ein komplett neues Thema irgendwie bearbeiten.

01:25:31: Oder du gehst halt in eine neue Region... ...und machst da halt eben was anderes?

01:25:35: Und ich bin in Asen

01:25:36: geblieben,

01:25:37: um ne Professor zu bekommen oder erst mal, also ich glaub' da- Ich hab dann nicht an Professor gedacht als ich das angefangen habe,... ...sondern ich wollte irgendwie weiter Wissenschaft machen.

01:25:44: Also mich hat es irgendwie so begeistert,... ...daß ich beschlossen hab', ich mach das weiter obwohl damals schon klar war, dass Risiko ist recht hoch.

01:25:52: Wann war's?

01:25:56: ... was ich zum ersten Mal in Myanmar habe mir das angeschaut und dann ab... ...zw.

01:26:00: Jahrzehnte hab' ich angefangen dazu zu forschen.

01:26:02: Zwei-tausendzehn ist zwanzig, also zehn Jahre im Endeffekt.

01:26:05: Wie bist du dazugekommen?

01:26:06: zu dem Land?

01:26:08: Also auch Asien komplett anderes Asien und ähnlich wie Kyrgyzstan quasi vorher komplett unmöglich Forschung zu machen weil es erst ab zwanzich elf eigentlich sich so geöffnet hat dass man als westlicher Aushanderin lange vor Ort bleiben konnte und durfte.

01:26:29: Und auch da quasi sich Themen aussuchen konnte, wie man mit die Erste war.

01:26:35: Also es waren ähnlich strukturiertes Land dahingehend, dass man sehr wenig im Westen darüber

01:26:40: wusste.

01:26:40: Warum wollten wir das nicht?

01:26:42: Dass der Weste nach rein guckt?

01:26:44: Weil das eine ... Mir einmal war halt... Das ist ja Burma oder Burma früher, das heißt es war der letzte Teil des britischen Empires.

01:26:52: Das letzte Land was irgendwie dazu addiert worden ist und das ist dann halt unabhängig geworden und gab's irgendwie wechselnde Regierungen.

01:27:00: Es gab halt immer wieder Militärdiktaturen also neun zu zweieinzehntzig gab's eine sehr lange Militäre Diktatur.

01:27:06: Dann gabs in den achtziger-neunziger Jahren Militärediktatur und immer wieder aber auch Revolutionen entweder durch die Mönche oder durch Studentenbewegung.

01:27:15: Und dann halt eben diese Öffnung von einem Präsidenten, der aber früher auch einen Posten im Militär hatte.

01:27:22: Der dann aber beschlossen hat okay wir machen jetzt ob das irgendwie aus wirtschaftlichen Gründen war oder tatsächlich irgendwie politischen Öffnungsgedanke weiß ich nicht.

01:27:31: Aber der hat dann beschlossen okay wir lassen mal so ein bisschen lockerer.

01:27:35: Wir machen diese Demokratisierung.

01:27:38: Wir nennen die Institutionen so dass halt die anderen erkennen ok da passiert irgendwas Gutes.

01:27:44: Die hatten trotzdem noch zwanzig Prozent Militär im Parlament zum Beispiel, auch in der guten Zeit jetzt.

01:27:50: Also in der Zeit, in der alle davon geredet haben das ist jetzt irgendwie sich demokratisiertes Land.

01:27:57: Genau.

01:27:58: und dann war halt eben so jemand wie ich irgendwie...

01:28:00: Du hast ja von gehört, die öffnen ihn jetzt mehr an mal?

01:28:03: Genau!

01:28:05: Also es gab einen privaten Grund, dass mein Mann irgendwie Südethiopien-Experte ist und ich als Zentralasienexpertin.

01:28:13: Und wir haben beschlossen, dass wir beide quasi von Null anfangen müssen wenn wir weiter zusammen Forschung

01:28:20: machen.

01:28:21: Der wollte glaube auch Professor werden?

01:28:24: Er ist jetzt im Wissenschaftsmanagement.

01:28:26: Genau.

01:28:26: aber wir haben zusammen Forschungen gemacht in Myanmar.

01:28:29: also wir haben beide quasi nochmal von Nulle angefangen weil weder ich bei ihm quasi den Fuß so in die Tür gekriegt hätte, wie ich das hätte schaffen können und er bei mir halt auch nicht.

01:28:41: Wo habt ihr denn angefangen?

01:28:42: Wir haben in Berlin angefangen mit Sprachkursen an der HU weil es gibt eine Person in Deutschland, die durfte damals im Auftrag der DDR nach Birma und hat dort birmanisch gelernt Und die kam wieder zurück in die DDR und hat dann quasi alle Leute, die irgendwie ich kenne zumindest im deutschsprachigen Raum.

01:29:08: Hat die ausgebildet?

01:29:10: Die ist mittlerweile ein Rento oder so.

01:29:11: aber der verdanken wir natürlich total viel weil wenn du eine Person hast, die dir die Sprache bei bringen kann...

01:29:17: Wie schwer war es bemanisch zu lernen?

01:29:19: Ganz furchtbar schwer und ich kannte auch nicht super gut!

01:29:22: Es ist super schweres, es ist schwerer als chinesisch.

01:29:26: Ist das auf Bildsprache?

01:29:27: Ja genau Du hast Zeichen, du hast Töne Und es ist einfach, das ist einfach super schwer.

01:29:34: Also ich bin sehr, sehr langsam... Ich kann gut verstehen.

01:29:37: also ich bin jemand der kann sehr schnell irgendwie andere Sprachen verstehen dann kann ich irgendwie lesen und dann irgendwann sprechen.

01:29:44: aber das was ich spreche ist meistens eben Alltagssprache ne?

01:29:47: Also ich könnte auch auf Kyrgyzisch könnte jetzt keinen Vortrag halten oder so wenn ich mich hinsetze den Aufschreibe dann ging's oder so.

01:29:55: aber ich kann sehr gut diese Alltagskommunikation.

01:29:58: Aber mit Burmesisch ist es wesentlich schwieriger gewesen und ich habe aber auch zu einem Thema geforscht in Myanmar, wo die Leute die ganze Zeit die Sprache gewechselt haben.

01:30:09: Das heißt mir hat das Burmesische nur bedingt geholfen.

01:30:13: also es war so ein totaler Kauderwelt in dem ich da unterwegs war und deswegen habe ich glaube ich auch aus Notwerben mich sehr stark irgendwie auf so Mikrointeraktionen und ganz, ganz viel beobachten.

01:30:23: Ganz viel Videografie und Fotografie irgendwie fokussiert.

01:30:27: Aber erst mal ein paar Monate mit deinem Mann hier in Berlin?

01:30:29: Wir haben in Halle gelebt.

01:30:32: Ich habe zehn Jahre an Halle an der Saale gelebt und das ist ein Max-Planck-Institut für analogische Forschung.

01:30:38: Wir sind immer von Hallen nach Berlin gependelt, haben diese Kurse gemacht, haben uns das Land eben im Zwei-Tausenneun schon angeguckt und dann waren wir halt... Zwei tausend zwölf, ein halbes Jahr da und dann zwei tausends dreizehn, vierzehn nochmal ein halbes Jahr.

01:30:54: Und es sind dann auch noch mal so zwei drei Mal zurück.

01:30:56: Ich spare mir jetzt den ethnologischen Blick auf Sachsen-Anhalt heute.

01:31:02: Machen wir einen anderen

01:31:03: Mal?

01:31:03: Ja vielleicht!

01:31:04: Okay also, seit ihr vor Ort gelandet?

01:31:08: Genau, wir waren in Yangon.

01:31:10: Yangon ist die ehemalige Hauptstadt.

01:31:13: Super super spannende Ort Und da waren wir halt, genau.

01:31:20: Ich dachte auch wieder, ich suche mir jetzt irgendein Dorf

01:31:22: und... Nee also irgendwie das war alles anders ne?

01:31:24: Also Kyrgyzstan war Dorfforschung und Monoethnisch und alles auf Kyrgysisch und das hier war jetzt Millionenstadt und ich habe eben zu Ethnicität und also ich hab zu ethno-religiösen Minderheiten geforscht.

01:31:36: Also eigentlich genau was anderes Stadt-Ethnologie, alles anders.

01:31:41: Warum

01:31:41: ist es so interessant gewesen?

01:31:43: Weil ich's noch nicht konnte als ich glaube ich finde Sachen Interessant und herausfordernd, wenn ich noch nicht das Gefühl habe.

01:31:49: Ich bin Expertin irgendwie.

01:31:51: es gibt Leute die machen ihre Wissenschafts Karriere bauen sie aufeinander auf und sind dann wirklich einschlägig für eine Sache Und bei mir ist es eigentlich eher so ein organisches irgendwie sich fort bewegen und dann kommt irgendwas Neues und Das finde ich eigentlich spannend.

01:32:06: also ich mache wissenschaft immer auch um selber was zu verstehen So aus der eigenen neugier raus und dann ist halt quasi die eigentliche Arbeit jetzt zum Beispiel auch an der Uni oder so, dass ich das halt Studierenden begreiflich mache.

01:32:20: Und wenn du das kannst dann weißt du halt erst ob du es selber verstanden hast.

01:32:24: Deswegen versuche ich so ganz viel irgendwie aus den Forschungskontexten immer in der Lehre einzubauen weil mir das selber total hilft in dem Moment wo du drüber reden musst, was anderen Leuten erklären muss und dann halt merkst okay das hat jetzt nicht geklappt, das haben sie nicht verstanden, dann hast du's selber noch nicht begriffen.

01:32:39: Genau.

01:32:40: So die heute einsteinsche Regel man kann Erst was erklären, wenn man zu beweisen, dass man etwas verstanden hat.

01:32:49: Wenn man das einfach erklären

01:32:51: kann.

01:32:51: Kann sein ja.

01:32:52: Wer es gesagt hat, aber für mich macht es Sinn.

01:32:54: So habe ich's mir gemerkt?

01:32:55: Ja

01:32:55: genau

01:32:57: Wie schwer war's denn dieses Ethno-Nizität?

01:33:02: Ethnicität.

01:33:06: Das war nicht schwer, das war halt total spannend.

01:33:09: Ich hab halt Forschung gemacht in anreligiösen Orten Also in Tempeln und in Moscheen.

01:33:16: Und an Schreinen, und habe eben ganz viel mit Menschenzeit verbracht die vom britischen Empire sozusagen in eine Gruppe klassifiziert wurden.

01:33:28: Die hießen Burmese Indians also boomesische Inder.

01:33:33: Und das waren... Also die Leute mit denen ich gearbeitet habe, das waren die Nachfahren derjenigen, die die Briten von Indien über die bengolische See nach Birma-Geschäft haben, um halt eben dieses Land zu kolonisieren.

01:33:47: Und es waren Leute die quasi auf allen sozialen Ebenen in allen Hierarchien irgendwie eingesetzt worden sind.

01:33:53: ganz viele Warnungen wie Dogarbeiter am Hafen ja und haben so die die harte Arbeit irgendwie Schleppsachen gemacht und die waren aber bis quasi zum zum Parlament irgendwie oben.

01:34:04: oder waren Anwälte oder waren Intellektuelle und diese Gruppe mit denen ich gearbeitet habe Burmese Indians.

01:34:10: das ist eine Gruppe Die spaltet sich in ganz viele andere Untergruppen auf, aber die Hauptunterteilung ist immer zwischen Hindus und Muslim.

01:34:20: So stellen sie sich selber halt auch da.

01:34:23: Und das Konzept was die immer verwenden um zu sagen wer sie sind, ist es von Community.

01:34:29: Das sagen Sie immer auf Englisch.

01:34:30: also auch wenn sie halt vermesslich reden oder... weiß ich nicht, Memon oder Telegu oder Gujarati.

01:34:38: Wenn du mit Leuten sprichst dann kommt Community auf Englisch und das habe ich halt irgendwie relativ schnell gemerkt.

01:34:43: Ich wusste halt, ich möchte irgendwie mit diesen Menschen arbeiten.

01:34:47: Warum?

01:34:48: Weil diese Orte zugänglich waren.

01:34:50: Du brauchst ja in der Feldforschung immer irgendeinen Entry Point Du musst irgendwo halt anfangen Und gerade wenn du dich in einer Gesellschaft noch nicht super auskennst Broker arbeiten willst, also wir versuchen in der Technologie ganz oft irgendwie nicht über die mächtigen Männer den Eintritt ins Feld zu finden.

01:35:07: Weil sie halt auch ganz schnell sagen können okay und mit dem redest du nicht mehr oder den Leuten sagen können mit der redest Du nicht mehr.

01:35:14: Also wir versuchen quasi so niedrigschwellig wie möglich Zugang zu finden Und das waren bei mir quasi über diese Orte weil es war eine öffentliche Orte und ich konnte überall rein Und alle haben sich irgendwie gefreut.

01:35:26: und am Anfang bist du halt einer von vielen westlichen Touristen, die halt gerade in dieser Zeit irgendwie in Myanmar rumgelaufen

01:35:31: sind.

01:35:31: Die mit Kamera ein paar Fotos machen?

01:35:32: Mit Kamera

01:35:33: Fotos machen und so und dann auch wieder gehen und so.

01:35:35: Dann erzählen.

01:35:36: aber die Leute, die die Stories über den Tempel oder die Moschee oder was auch immer... Das heißt ich habe halt quasi von den ersten Interaktionen, die ich dann mit Leuten hatte, mit denen ich viele Jahre gearbeitet hab bis hin zu was sie mir dann halt drei vier jahre später erzählt haben habe ich quasi alles aufgezeichnet.

01:35:54: und das ist halt total spannend wenn du halt irgendwie merkst okay wie präsentieren sich individuen fremden gegenüber oder ausländern gegenüber dem Staat gegenüber, wenn sie das Gefühl haben.

01:36:07: Sie werden jetzt quasi von außen beobachtet und was passiert?

01:36:11: Je näher du rankommst mit den Selbstidentifikationen.

01:36:17: Was ich herausgefunden habe ist diese Kategorie Gemeinschaft oder Community, die ja erst mal irgendwie bei uns auch ein Begriff der in ganz vielen unterschiedlichen Kontexten verwendet wird aber unterschiedliche Dinge bedeutet.

01:36:32: Das ist in dem Kontext, im Endeffekt eine koloniale Kategorie ist.

01:36:36: Die die Briten erfunden haben und ich habe in den Buch sozusagen diese ganze historische Arbeit gemacht um rauszufinden okay wer?

01:36:44: In London hatte denn die Idee dass man jetzt diesen Gemeinschaftsgedanken irgendwie nach Indien bringt um dann dort quasi die Leute auseinander zu differieren und zu sagen ihr seid hindus ihr seid muslime.

01:36:57: Das war jemand, der war wiederum so ein Kolonialbeamter und Jurist.

01:37:03: Also viele Juristen irgendwie in diesem Kontext die dann aber genau diese Trennungsarbeit gemacht haben oder diese Grenzziehung zwischen Gruppen.

01:37:10: Und auch da wieder ganz klar natürlich wie kann man dieses extreme multikulturelle unverständliche Indien mit diesen Menschen, die irgendwie organisiert sind auf Art und Weise, die wir nicht verstehen?

01:37:22: Wie können wir das irgendwie organisieren?

01:37:25: Teile und herrschemäßig!

01:37:27: Wir teilen die Community künstlich von außen.

01:37:29: Nein, wir

01:37:30: schaffen die Community.

01:37:31: Die Community ist im Endeffekten Begriff der aus dem alten englischen Kontext kommt und er ist aber in Indien...

01:37:37: Aber wir teilen diese Menschengruppen?

01:37:39: ...die Menschen auf in Gruppen, von denen wir sagen so gehört ihr zusammen.

01:37:43: Hindu,

01:37:44: muslimisch.

01:37:45: Diese Kategorie selber ist quasi eine westliche und die Vorstellung dass man menschen entlang der religiösen Zugehörigkeit ordnet ist auch eine westliche, weil die sich selber natürlich anhand von ganz vielen anderen Kriterien irgendwie noch geordnet haben.

01:37:58: Aber Religion war sozusagen aus der westlichen Perspektive das Kriterium wo man sagt okay hier ist irgendwie... Das ist der Marker der Anderssein konstituiert.

01:38:09: und dann haben die das was sie in Indien geschaffen haben nach Myanmar gebracht und haben die Leute halt aber mitgebracht.

01:38:16: Und haben gesagt, okay wenn ihr mitgeht dann kriegt ihr irgendwie Landgrants, dann kriegst du irgendwie Land von uns und da dürft ihr dann eure Moschee bauen oder euren Tempel usw.

01:38:25: Und Yangon ist voll mit diesen alten noch aus der Kolonialzeit stammenden super schönen Gebäuden.

01:38:31: teilweise verfallen die total, teilweise werden sie restauriert und so und da habe ich jetzt gearbeitet.

01:38:35: also das war so mein Feld die privaten Häuser der Leute, wo immer sie mich mit hingenommen haben.

01:38:44: Das hat auch dann quasi noch nämlich diese unabhängig wurden von den Briten also die Kolonialzeit erst mal formal beendet war?

01:38:51: Genau!

01:38:52: Die Communities haben sich diese Trennung oder diese kürzliche...

01:38:58: das hat sich fortgesetzt weil

01:39:00: Weil sie das als sinnvoll erachtet haben?

01:39:02: Nee, ja und nein.

01:39:04: Also nochmal mit dieser Erfindung sozusagen anhand von gemeinschaftsfest gemachten Grenzen gab es eigene Gesetze die heißt Personal Status Laws also eigene Gesetzen die dann nur für Hindus gelten, nur für Muslime gelten Ja Und die gibt's immer noch.

01:39:20: Die gibts auch in Indien Aber in Myanmar gibts die immer noch.

01:39:23: Das sind genau die Gesetzer aus der Kolonialzeit.

01:39:25: Das heisst wenn du Als Hindu klassifiziert bist in Myanmar und du möchtest heiraten oder du möchst es was vererben, dann gibt's eine spezielle Gesetzgebung die nur für deine Community gilt.

01:39:37: Und die wird angewandt!

01:39:39: So nicht Staatsrecht für alle sondern es gibt Personal Status Laws heißen sie.

01:39:44: Die sind quasi nochmal aktualisiert worden vor ein paar Jahren mit noch mal so einem Konklo-Marat angesetzen, die heißen Race and Religion Laws und die waren dann noch diskriminierender.

01:39:54: Weil es da wirklich irgendwie um Begrenzung von Geburtenzahlen ging und ein Verbot von Heiraten zwischen religiösen Gruppen und solche Sachen.

01:40:04: Jetzt denke man natürlich, kann mich viele denken, ich will...

01:40:06: Genau!

01:40:08: Hier beschäftigen wir sich viel mit Apartheid, Segregation, Rassentrennung

01:40:12: usw.,

01:40:13: das ist glaube ich der erste Gedanke gewesen wenn man das hört wieviel ist da?

01:40:18: Teil davon.

01:40:21: Das lehnt man ja ab quasi, das ist...

01:40:23: Ja also erstmal ist halt schwierig irgendwie so Konzepte aus anderen Kontexten irgendwie dann auf diesen Kontext zu übertragen und da muss man halt immer ganz genau hingucken was malt man eigentlich damit?

01:40:33: Und meistens versuchen wir in der Ethnologie erst mal zu gucken wie klassifizieren die Leute sich selber?

01:40:40: Also nehmen sie zum Beispiel so ein Label irgendwie an oder lehnen die das ab und haben was anderes.

01:40:45: Und dieses Community Label, also die Zuschreibung dass man Teil einer ethno-religiösen Gruppe ist, die im Endeffekt von oben definiert wurde, das nehmen sie nach außen total an weil es eine Absicherung ist auch wiederum gegen den Staat so langdurch quasi in diesem Medium bewegst Und das machst du, was dir zusteht oder was dir zugeschrieben wurde.

01:41:08: Wenn du dich so verhältst wie man erwartet dass du dich als Teil, als Mitglied dieser Community verhältst dann bist du sicher vor dem Staat.

01:41:16: und wir sprechen halt von sehr unterschiedlichen Staaten also einer recht demokratischen Version in den letzten zehn Jahren aber einer Militärdiktatur davor und eine Militärtiktatur jetzt die auch gerade wieder versucht sich einen demokratischen Anstrich zu geben.

01:41:31: Und das war immer sozusagen ein Schutzmechanismus.

01:41:35: Solang man als Community im Rahmen bleibt, dessen was in diesen Gesetzen steht und was irgendwie die gesellschaftliche Vorstellung ist dann bist du safe.

01:41:45: Wenn nicht?

01:41:49: Dann überschreitest du sozusagen Kompetenzen und Grenzen und dann kann es halt gefährlich werden.

01:41:53: oder es sind halt so Sachen wie du kriegst dann halt Besuch irgendwie von der Polizei oder du kriegst deine Renovierung von der Moschee nicht mehr genehmigt, oder irgendjemand schmeißt dir nachts die Scheiben.

01:42:07: Einer das kann alles mögliche sein.

01:42:08: Aber es ist ein Schutzmechanismus quasi sich in diesem Bereich zu bewegen.

01:42:15: aber kannst du dir vorstellen wenn du damit sozialisiert wirst und so aufwächst dann ist es natürlich schon auch ein Teil deiner Identität.

01:42:23: Das Argument, was ich mache oder auch der Vorwurf sozusagen den ich auch anderen Wissenschaftlern mache ist dass wir zu sehr oder zu schnell quasi auf diese Ebene dieser ethno-religiösen Zugehörigkeit irgendwie rekurrieren und uns damit zufrieden geben.

01:42:37: Und selber so denken als wäre das eine natürliche Einheit und sei es irgendwie gegeben.

01:42:42: ja?

01:42:43: Ich versuche in diesem Buch zum einen dieses Konzept von Community kritisch anzugucken.

01:42:48: wo kommt es eigentlich her und was macht es eigentlich?

01:42:50: also Was leistet das?

01:42:53: Und dann aber zu sagen, Moment.

01:42:54: Das ist aber natürlich nicht alles.

01:42:56: Was ist denn da noch so?

01:42:58: Also wer sind die einzelnen Menschen... also ich habe quasi einen sehr starken Fokus auf einzelne Geschichten irgendwie in diesem einzelnen biografischen Geschichten von Menschen, die die ganze Zeit in ihrer Lebensbiographie versuchen, die Grenzen dessen, wer sie sein sollen, irgendwie zu verändern sowie jeder von uns eigentlich.

01:43:19: Also nur weil jemand irgendwie ein Mitglied von irgendeiner Gemeinschaft ist, heißt es ja nicht dass er sonst nichts ist.

01:43:25: Aber das was die Menschen noch sind, das ist gerade wenn man halt Forschung woanders macht oder über die anderen redet, das wird oft irgendwie vergessen und das spielt nicht so eine Rolle.

01:43:36: Weil das einfach so ein starker Moment ist wie man Leute einordnen kann.

01:43:40: Du bist halt Teilen von Minderheit X oder so.

01:43:43: aber was ist mit dem Mensch dahinter?

01:43:46: Und das hat mich halt interessiert und es ist interessant, weil die ganz unterschiedliche Nichtstrategien entwickeln.

01:43:53: Also ich schreibe quasi gegen diesen Strategie Begriff an, weil es immer voraussetzt dass sich Leute irgendwie bewusst sind was sie da tun.

01:44:01: Der Punkt ist halt, dass ganz vieles davon eben prä-reflexiv oder unbewusst ist.

01:44:07: Dass der sich nicht keine Ahnung aktiv eine Frau mit einer helleren Hautfarbe sucht, In dieser Klassifikation kommt eine Ebene höher oder wird dann irgendwie mehr geschätzt.

01:44:21: Sondern er hat diese Frau geheiratet, weil ganz andere Sachen passiert sind in seinem Leben.

01:44:24: Aber

01:44:25: wenn du mit denen darüber redest, machst du das quasi nicht durch deine Beobachtung denn bewusst?

01:44:32: Und wie reagieren die darauf?

01:44:33: Also meistens verstehe ich ja solche Sachen... erst viel später am Schreibtisch.

01:44:39: Also wenn ich in der Forschung bin, dann schreibe ich natürlich auf und wir machen was mit Memos nennen das sind so erste Mini-Analysen Das sind aber eher alles so Hypothesen oder eigentlich sind es Fragen.

01:44:51: also was ist hier los?

01:44:52: Ist ja interessant dass es gerade passiert.

01:44:55: Was könnte das denn bedeuten oder so?

01:44:57: Aber das ist halt weit weg von irgendeiner Analyse.

01:45:03: Ich stelle keine Suggestiefragen.

01:45:05: Also ich gehe nicht irgendwie zurück in der Forschung und sage, ist es nicht so das oder so?

01:45:10: Weil dann ist halt die Chance sehr groß.

01:45:12: diese Leute sagen ja genau so ist es.

01:45:15: Sondern ich versuche irgendwie Sachen erstmal selber zu verstehen.

01:45:18: Und was ich aber mache ist halt Die Manuskripte zurückzubringen und mit denen zu diskutieren was sich jetzt daraus gemacht habe.

01:45:27: Und das ist halt auch sehr unterschiedlich.

01:45:30: In Kyrgyzstan zum Beispiel, den war völlig egal was in dem Buch stand so.

01:45:33: Ich hab andere Sachen mit denen gemacht oder für die gemacht – das war halt wichtig!

01:45:37: Die wollten noch keine Kopien

01:45:40: haben?

01:45:40: Ja, irgendwie die Kopien bekommen aber ich hatte denen vorher zwei andere Bücher geschrieben, die waren wichtig.

01:45:44: Das eine war ein Fotobuch und das andere war ne Lebensgeschichte von eben dieser Großmutter aus dem Dorf und die habe ich auf kurgisisch veröffentlicht.

01:45:52: Und die Menschen in Myanmar war dann

01:45:54: so?

01:45:55: Für die ist es total wichtig gewesen, eben weil über die nicht geschrieben wurde und wenn dann halt auf eine Art und Weise diese glaube ich nicht gut fand.

01:46:06: Genau und ich konnte dieses Buch noch also das Minuskript zurückbringen und habe das mit denen besprochen und habe Sachen erklärt und hab auch mir keine Ahnung für die Fotos, die da drin sind.

01:46:15: irgendwie das okay geben lassen.

01:46:17: Wir diskutieren dann so Sachen, wie soll ich es heute nüme verwenden?

01:46:19: Und manchmal wollen sie halt aber ihre echten Namen.

01:46:22: Also das ist halt auch was, worauf die stolz sind.

01:46:27: Genau und sowas musst du halt an aushandeln.

01:46:29: Aber ich habe das Buch selber nicht mehr zurückbringen können als es veröffentlicht war eben weil dann wieder dieser versuchte Militärputsch war zwanzig-einundzwanzig und ich war seitdem nicht mehr im Land.

01:46:40: Es gibt eine Open Access Version und dann haben zumindest jüngeren das runterladen können über VPN

01:46:47: Weil du gerade deinen Schwerpunkt auf diese biografischen Geschichten gelegt hast.

01:46:51: Kann mir vorstellen, einige sagen jetzt selber ist es nicht anekdotische Evidenz die sind?

01:46:55: Da machte wie grenzt man das ab von einer wissenschaftlichen Betrachtung?

01:47:01: Anekdotische Evidenz wäre wenn ich irgendwie...

01:47:05: Also der die Person sagt da basierend auf ihrer

01:47:07: Biographie

01:47:08: und dann sammelst du das.

01:47:10: Ja ne also anekdotisch ist halt wenn wenn ich irgendein kleines Teil von irgendwas preisgebe oder so.

01:47:17: aber Also man darf in der Technologie nicht verwechseln sozusagen, dass wir im Endeffekt große Fragen stellen oder an großen Konzepten interessiert sind.

01:47:26: Staatrecht, Gemeinschaft – also ich bin das zumindest – aber das auf eine Art und Weise erforschen die halt nicht sofort hochskaliert auf die gesamte Gesellschaft.

01:47:37: Ich würde mir nicht anmaßen ist das was sich jetzt quasi für Die Gruppe, mit der ich gearbeitet habe und die Menschen, mit denen ich geararbeitet hab geschrieben, habe sofort irgendwie skalierbar ist aufs ganze Land.

01:47:47: Das wird überhaupt nicht möglich sein in so einem multietnischen Riesenstart.

01:47:52: Also das geht nicht.

01:47:54: aber das ist auch nicht das Ziel sondern das Ziel ist sozusagen eine Wissenschaft zu betreiben wo Perspektiven von einzelnen Menschen oder eben auch von Gruppen irgendwie Gehör finden deren deren Geschichte oder deren Version von wie die Welt ist, oder wie die welt funktioniert genauso interessant ist.

01:48:15: Wie das was wir halt sonst so hören.

01:48:18: und das is nicht aneknotische Evidenz einfach weil wir über Jahre unglaublich viele Mengen an Daten sammeln aber wir tun es halt für ein sehr kleines Sample.

01:48:27: also wir müssen nicht irgendwie zweitausend Leute befragen damit es irgendwie wissenschaftlich ist sondern mein Ansatz vor allen Dingen ist dass ich mit sehr wenigen Leuten aber sehr sehr lange und intensiv irgendwie arbeiten, das sehr biografisch mache.

01:48:41: Andere Ethnologen arbeiten aber anders also da gibt es natürlich unterschiedliche Präferenzen und Stile.

01:48:46: Gibt's auch so Leute die du kennenlernst, versuchst am Anfang mit denen zu arbeiten oder nach ein paar Wochen oder Monaten verstellts?

01:48:53: Briegt jetzt noch nicht so viel

01:48:55: oder

01:48:55: man hat den komischen Vibe entwickelt?

01:48:57: Klar!

01:48:58: Oder Leute haben dann keine Zeit oder so... Also ich fange das Buch sogar an mit so einer Geschichte des totalen Scheitans weil ich dadurch total viel gelernt habe.

01:49:06: Das passiert natürlich total oft.

01:49:07: Also die Leute müssen mit einem arbeiten wollen oder die Zeit aufhennen wollen, sich mit jemandem da abzugeben der irgendwie rumstottert nichts versteht, sich wie so ein Kleinkind verhält und

01:49:17: keine

01:49:18: Ahnung das Essen nicht mag oder was auch immer.

01:49:20: also das ist ja eine totale Belastung und Zumutung eigentlich so jemanden wie mich seit die ganze Zeit rumhängen zu haben.

01:49:27: Woran bist du gescheitert?

01:49:30: Ganz unterschiedlich!

01:49:31: Also jetzt dieses Mehrnmalbeispiel also eines mit dem ich da anfange auf so einer Prozession nachts unterwegs war, eine architischen Prozission während der Trauerzeit und dann eine Person in dieser Menge entdeckt habe die irgendwie anders schien.

01:49:49: Und sie hat mich auch entdeckt.

01:49:50: also wir haben uns quasi an unserer Andersartigkeit erkannt und dann haben wir angefangen miteinander zu sprechen auf Englisch und dann kam raus dass ihr aus dem Iran kommt und mit einem lokalen Muller verheiratet war was extrem selten ist.

01:50:07: Und sie hat dann irgendwie, also wir haben halt irgendwie uns so vorgestellt und so.

01:50:10: Aber in dem Moment wo sie verstanden hat dass ich nicht Skitin bin war quasi das zu Ende.

01:50:18: Also das waren Barriere.

01:50:22: Das Interessante war, dass viele Menschen auch während der Feldforschung ein Problem damit hatten, dass sich die ganze Zeit immer bei einem dabei war und zunehmend viel wusste zum Beispiel über skitische Religionszugehörigkeit, aber selber halt nicht Skitin war.

01:50:38: Und die wollten dann immer dass ich irgendwie konvertiere weil das halt für die irgendwie so ungewöhnlich war, dass jemand sich für sie interessiert und irgendwie zunehmend was weiß über Sie und nicht immer wieder von vorne etwas erklärt bekommen muss ohne dass sie halt auf die Art und Weise dazugehört.

01:50:53: Das ist auch im Endeffekt... Mit der Frau war es ein bisschen traurig, weil ich hätte mir gedacht, vielleicht können wir uns eranfreunden und so.

01:51:03: Weil sie ist ja auch anders.

01:51:04: Das ging dann halt nicht.

01:51:06: Aber das Moment war wichtig, weil Ich gemerkt habe wie sehr diese Grenzziehung quasi explodiert.

01:51:14: Und egal wie sehr man sich anstrengt, man gehört trotzdem nicht dazu.

01:51:20: Das sind Erfahrungen... Kannst du

01:51:22: gar nichts machen?

01:51:23: In dem Kontext jetzt nicht.

01:51:25: In anderen Kontexten läuft man dann irgendwann mit, also wir nennen das so Passing.

01:51:28: Also irgendwann fällst du nicht mehr auf und irgendwann ist egal wer du bist aber nicht immer.

01:51:33: Und du kannst es aber – das meine ich mir – benutzen quasi uns selber als Instrument.

01:51:38: Du kannst das nicht beeinflussen oder du kannst was daraus lernen nämlich zum Beispiel über die Rägedität von Kategorisierung.

01:51:46: Wie wichtig ist es selbst einen bestimmten Glauben zu haben um dazu zu gehören?

01:51:54: Also durchs Exkludiert werden lernt man halt was.

01:51:56: Und wenn du solche Erfahrungen machst, nochmal wegen Deutschland und so dann guckst du natürlich auf deine eigene Gesellschaft anders weil du diese Fremdheitserfahrung irgendwie aus der Feldforschung kennst.

01:52:11: Wenn das in Myanmar jemand was jetzt lange nicht mehr da hast du irgendwann immer einen Krieg ausgebrochen?

01:52:17: Nee es ist ein Versuchter Militärputsch.

01:52:19: also Februar-Ir.

01:52:21: hat das Militäre quasi die gerade neu gewählte Regierung abgesetzt.

01:52:29: Inhaftiert, wen sie kriegen konnte.

01:52:31: Also Aung San Suu Kyi auch.

01:52:32: Aung san suu kyi ist ja quasi die Person, die man aus mir mal vielleicht noch im ehesten kennt.

01:52:37: Die war Nobelpreisträgerin unter der früheren Militärregierung, fünfzehn Jahre im Hausarrest und war aber dann in den letzten zehn Jahren mit ihrer Partei in der Regierung und hatte diesen Posten des State-Counselers, denen Sie irgendwie geschaffen hatten weil sie nicht Präsidentin werden durfte Auch wieder diskriminierendes Gesetz mit einem Ausländer verheiratet war.

01:52:59: Also das Militär hat extra quasi in der Verfassung festgelegt, dass wenn man im Ausländer verheiralte kann man nicht Präsident werden um halt schon vorweg zu nehmen, dass es ja passieren könnte in ihrem Fall.

01:53:10: und dann haben sie einen neuen Posten geschaffen und den hatte sie dann inne, das heißt State Council.

01:53:15: Und genau, einundzwanzig ist es halt eben über Nacht alles zusammen gebrochen damit irgendwie die Möglichkeit für mich zurückzugehen.

01:53:28: Alle Forschungskooperationen, die ich hatte ist zusammengebrochen.

01:53:32: alle Leute mit denen ich an der Uni kooperiert habe haben sofort ihren Job hingelegt und sind gegangen.

01:53:38: Die Studierenden, die Ich unterrichtet hab teilweise sind entweder zurück in ihre Dörfer oder sind im bewaffneten Widerstand.

01:53:45: Alle Leute waren auf der Straße.

01:53:47: also ich habe...

01:53:50: gegen

01:53:52: das Militär.

01:53:53: Genau, also es war quasi die Bevölkerung gegen das militär und die Mönche gegen das militär.

01:53:59: Und das war eine riesige Widerstandsbewegung, die halt mit zunehmender Gewalt irgendwie immer mehr eingedämmt wurde.

01:54:07: Also wir sind jetzt gerade, glaube ich, offiziell bei achttausend sechshundert irgendwas Toten

01:54:13: genau.

01:54:14: Wie ist denn jetzt aktuell?

01:54:16: Wie steht's denn jetzt aktuell?

01:54:18: Wer

01:54:18: hat die Macht?

01:54:20: Die Macht hat die Bevölkerung meiner Meinung nach, weil das Militär de facto nur zwanzig dreißig Prozent des Landes kontrolliert.

01:54:29: Aber Stichwort wieder Demokratisierung.

01:54:32: also die haben halt Wahlen durchgeführt.

01:54:34: letztens und sie haben jetzt den ersten General zum Präsidenten ernannt Und Myanmar ist gerade dabei ganz aktiv sozusagen dieses Image des demokratischen Staates sich reformieren in Staates irgendwie in die Weltöffentlichkeit zu tragen.

01:54:52: und was ich gerade mache ist, so beobachten wie erfolgreich sie sind.

01:54:56: Und wann wer einknickt?

01:54:58: Das hat zum Beispiel damit zu tun, wie darüber berichtet wird.

01:55:01: Ich gucke mir sehr genau zum Beispiel Formulierungen an der globalen Presse, wie über Myanmar gesprochen wird.

01:55:08: Also wer sagt Militärregierung und sagt runter und sagt illegitimes Regime und wer fängt langsam an irgendwie ... vom Präsidenten zu reden und von der Regierung usw.

01:55:20: Machen wir es?

01:55:22: Unterschiedlich, also die deutschsprachige Presse ist eh recht mau was mir mal angeht.

01:55:29: Es gab halt einundzwanzig, gab's dieses Interesse da hab ich auch viel irgendwie Öffentlichkeitsarbeit gemacht... Und dann ist das natürlich eingebrochen so.

01:55:36: Also Deutschland hat jetzt keine großen Verbindungen oder so zu diesem Land im Gegensatz zur Großbritannien.

01:55:42: Da ist mehr!

01:55:45: In den letzten Jahren, als ich hier in Berlin mitbekommen habe war quasi der Völkermord an die Rohingya.

01:55:53: Genau.

01:55:53: Zwei siebzehnten.

01:55:54: Also geht die muslimische Minderheit vom Militär aus.

01:55:57: da hat sich ja Deutschland auch beim IGH eingeschaltet und unterstützt dann die Völkmordklage.

01:56:01: Ja genau.

01:56:03: Hast du da irgendwas von mit bekommen?

01:56:05: Ich arbeite da auch zu.

01:56:07: also das ist Teil der Europaforschung, die ich jetzt mache.

01:56:11: Also, es war das letzte ethnische Säuberung sozusagen.

01:56:17: Das war einundneunzig schon mal und neunzehntachtensiebzig war's schon mal.

01:56:21: also es gab drei Massenpogromen gegen diese ethnische Minderheit und ist eine der größten staatenlosen Gruppen weltweit.

01:56:32: Die waren Staatsbürger und denen ist nünzten zweiundachzig kollektiv die Staatsbürgerschaft entzogen worden.

01:56:37: Atheit Millionen Menschen ungefähr von einem Tag aufeinander.

01:56:41: Und dann hattest du halt diese...

01:56:42: Von der hinduischen?

01:56:45: Von der bomessischen oder von der militär Regierung damals.

01:56:49: Genau, und dann hättest Du halt Progrumme weil halt, also Myanmar ist vor allen Dingen buddhistisches Land.

01:56:56: Es ist kein buddhistischer Staat weil die Verfassung eigentlich Religionsfreiheit und so vorsieht.

01:57:02: De facto ist aber das ein buddhistischer Staat, der das Militär ganz eng irgendwie auch an den Mönchsorden koppelt.

01:57:09: also du musst quasi Buddhismus neu denken wenn du halt zum Janmar arbeitest.

01:57:13: ja klar Also es gibt quasi Mönche, die nur fürs Militär abbestellt sind.

01:57:18: Wo sie dann halt ihre Almusen hinbringen und ihre Meriten und wo sie sich reinwaschen können.

01:57:22: Und denen sie dann die Klöster bauen oder die goldenen Buddha-Statuen hinsetzen und so.

01:57:27: Es ist eine Ökonomie zwischen Militäre und Teilen des Mönchsordens.

01:57:31: Es gibt aber einen großen Teil des Münchsordens der halt prodemokratisch und ganz stark eben auch in der Widerstandsbewegung ist.

01:57:39: Also politisierte Möncher auch.

01:57:43: die sich eigentlich komplett raushalten sollten, aber halt in so Situationen wo es dann halt ernst wird auf die Straße gehen.

01:57:50: Und deren Widerstand ist quasi dass sie dann ihre... wie heißt das auf Deutsch?

01:57:56: Armsbowls also die Schüsseln in denen sie den Reis eigentlich sammeln.

01:58:01: Die gehen morgens immer auf die Strasse und leben voll in Almosen der Menschen.

01:58:05: und indem die Menschen halt Geld geben, aber auch Nahrungsmittel ernähren sie im Endeffekt diese Mönche.

01:58:12: Und dadurch wäscht man sich natürlich aber auch von seinen Sünden rein und kann irgendwie halt eine Kammerpunkte sammeln, sag ich jetzt mal salopp.

01:58:21: Das Widerstandssymbol ist sozusagen diese Schüsseln umzudrehen und dadurch quasi dem Militär die Möglichkeit zu geben, zu nehmen, sich halt von dem was sie angrollt hatten verüben irgendwie reinzuwaschen.

01:58:35: So das sind symbolische Haltung, aber die ist extrem... stark halt.

01:58:39: Also wenn die Münche sich dir verweigern, dann hast du halt ein Problem in diesem buddhistischen Kontext so.

01:58:49: Wie ist diese Gräule zu erklären?

01:58:52: Gegen die Rohingya.

01:58:54: Genau das ist das Problem.

01:58:55: also ich habe gesagt es ist buddistischer Staat und es gibt halt über lange lange Zeit einfach extreme Vorteile gegen Muslime.

01:59:04: Ich hab einen Doktorand der kommt aus Myanmar.

01:59:07: Der ist auch geflohen Weil er halt Menschenrechtsaktivist war und für große internationale Organisationen Menschenreichtsarbeit gemacht hat, diese Sachen aufgelistet hat.

01:59:23: Er musste das Land verlassen.

01:59:25: Und der arbeitet jetzt zu Hate Speech.

01:59:28: Der guckt quasi in ganz unterschiedlichen Dokumenten einschließlich Klosterdokumenten wo halt diese Hassreden gegen Muslime irgendwie ihre Anfänger genommen haben.

01:59:40: Die kommen aus den Klöstern genauso wie sie aus den politischen Propaganda-Zeitungen des Staats kommen, genauso wie die von München dann in den Straßen propagiert werden und in den staatlichen Medien.

01:59:53: Und so hast du ein relativ starkes ressentiment in dieser Gesellschaft gegen Muslime.

02:00:01: sehr historisch gewachsen, was ein Riesenproblem ist.

02:00:04: Ohne das jetzt gut zu heißen, aber wie kann man das dann verstehen?

02:00:06: Woher wird es für Rhetorik die Morgenswunde in den Umlauf gebracht?

02:00:13: Also du bist halt wieder bei dem Gemeinschaftsbegriff und die negativen Aspekte davon.

02:00:18: Die Grenzziehung ist für mich ein Veranderungskonzept, das funktioniert nur wenn jemand nicht dazu gehört.

02:00:28: Du bist umso mehr Teil einer Gemeinschafe wie andere es halt nicht sind.

02:00:32: Und ganz klassisch sind Muslime auch in Kontext von Myanmar eben die, die halt nicht in die buddhistische Gemeinsschaft.

02:00:39: gehören.

02:00:40: und dann sehen sie ja noch anders aus.

02:00:42: Sie haben irgendwie eine dunklere Hautfarbe, sie haben halt vor allen Dingen in den Randgebieten irgendwie selbst wenn sie bemerk sprechen halt, sprechen sie es mit einem Dialekt und so und dann gab's halt relativ schnell dieses Vorurteil die gehören halt nicht dazu.

02:00:56: Und dann hast du quasi diese koloniale ethnische Grenzziehung und du hast ne Gesetzgebung und Du hast ein gesetztes sagt wir haben hier hundertdreißig anerkannte ethnische Gruppen in diesem Land, die gehörn dazu.

02:01:09: Die Rohingya sind quasi aus diesen offiziellen Kategorien einfach rausgerechnet worden, per Dekret.

02:01:17: Und in dem Moment haben sie sie effektiv startenlos gemacht.

02:01:20: und diese Gräueltaten kannst du natürlich dann umso leichter irgendwie verüben.

02:01:27: Du machst die Leute startenlose, dann sind sie im Endeffekt keine Rechtssubjekte mehr und dann sind es ja eigentlich auch keine Menschen mehr

02:01:32: Die wollen ja versuchen, nach Bangladesch zu

02:01:34: stehen.

02:01:34: Genau und die sind dann halt immer in diesen drei Programmen über diese Grenze, über die Flüsse oder eben auch die Landesgrenze irgendwie nach Bangladesh geschoben worden.

02:01:44: Und du hast jetzt mittlerweile nicht mehr die größten Flüchtlingslager der Welt aber es war lange Zeit so.

02:01:51: Aber das ist immer noch ein riesiges Gebiet an Flüchtlingskärmsten.

02:01:56: Und die Leute, die wenigstens haben quasi einen offiziellen Status bei der UN?

02:02:01: Registriert und die meisten sind halt illegal.

02:02:03: Und ganz viele versuchen, von da wegzukommen.

02:02:06: Das sind manchmal Sachen, die kommen so ein bisschen in der deutschsprachigen Presse dann an wenn wieder irgendwo ein Boot gesunken ist mit dreieinhalb Leuten vor Malaysia oder so.

02:02:15: Genau ich habe quasi... Ich konnte zur Rohingya nicht forschen.

02:02:18: Hätte ich ja machen können bei dem Thema und weil ich eben viel mit muslimen arbeite das war viel zu gefährlich.

02:02:24: also man könnte in mir einmal da nicht in den Teil des Landes wo die halt hauptsächlich wohnen.

02:02:30: Aber ich habe mich natürlich total dafür zu interessieren begonnen und habe dann aber über so ein Umweg, und ich weiß nicht mehr genau wie es begann, angefangen für Asylverfahren in England Gutachten zu schreiben.

02:02:42: Die Briten haben ein anderes System.

02:02:45: Wenn da quasi Leute irgendwie im Asylsystem auftauchen die sie nicht kategorisieren können oder wo sie nicht genau wissen wer ist, da gehört die hin oder der Person kommt aus einem Land Da wissen wir nicht viel drüber, dann gucken sie, ob Sie sich halt von Außenexperten reinholen.

02:03:02: Die Ihnen was erzählen darüber?

02:03:05: Das heißt Country of Origin Expert.

02:03:07: Also ein Experte oder eine Expertin die sich mit dem Herkunftsland dieser Person irgendwie auskennt.

02:03:12: Hätte

02:03:12: ich ja gedacht das ist quasi das Botschaftspersonal, denn mir lieber liegend machen kann!

02:03:17: Ja, die werden irgendwie sehr überarbeitet bei den Zahlen.

02:03:23: Ich arbeite vor allem eben in Großbritannien und das sitzt seit zehn Jahren.

02:03:26: Sie schreibt seit zehn jahren diese Gutachten.

02:03:29: Vor allen Dingen zu startenlosen Rohingya aber auch in anderen Fällen und jetzt vor allen Dingen mit diesem versuchtem Putsch leider auch für Bumesen, die halt zurück nach Mernmar abgeschoben werden sollen natürlich irgendwie sofort in der Grenze festgenommen werden würden.

02:03:45: Wie versucht

02:03:46: denn der britische Staat mit diesen Staatenlosen umzugehen, so wenig wie möglich reinzulasten?

02:03:51: Das Problem ist also das ist genau diese Forschung die ich seit ein paar Jahre jetzt mache.

02:03:55: Also ich forsche zur Staatenlosigkeit zu den Phänomenen der Staatenlusigkeit vom Staat sozusagen zur Staatanlosigkeit ja dass es die Kontinuität nicht geplant habe aber die sich irgendwie total angeboten hat.

02:04:07: Und dann eben zu diesem Thema Expertenaktivismus, weil ich selber quasi eine geworden bin ohne dass sich das geplant hätte.

02:04:14: Einfach nur weil ich dieses Wissen irgendwie über mir anmache.

02:04:18: Das ist aber super spannend so diese Gutachten zu schreiben.

02:04:21: Weil du kriegst von den Anwaltsfirmen diese Case Files teilweise bis zu achthundert Seiten Dokumente.

02:04:28: Teilweise nur – gerade hatte ich einen es waren vielleicht achtzig Seiten oder so, aber manchmal sind Dicke Leidsorten ist voll.

02:04:35: Pro Person sind immer individuelle Fälle, also Asyl ist immer eine Individualentscheidung und du arbeitest dich dadurch und du hast quasi so ne gläserne Person weil alles über diese Personen in diesen Akten steht Und das ist halt total spannend und gleichzeitig bist Du aber In der Position, also ich darf die Leute nicht kontaktieren und würde das auch nie machen zum Beispiel.

02:04:58: Das heißt, ich weiß alles über die Leute.

02:05:00: Die Leute wissen gar nichts über mich und ich schreibe diese Gutachten für die Gerichte, nicht für die Anwaltsfirmen.

02:05:06: Und das ist ganz wichtig weil du darfst halt keine geleiteten Gutachten schreiben ne?

02:05:11: Du musst wirklich... Da hat es quasi dieser Objektivitätsanspruch.

02:05:16: Klausibilität eigentlich begründen.

02:05:19: Du musst nicht sagen, ob du der Person glaubst, dass sie irgendwie geflohen ist aus Myanmar oder so oder nicht?

02:05:23: Das darfst du nicht.

02:05:24: und das ist was, was der Richter irgendwie macht.

02:05:26: aber du musst die Klausibilität von den Geschichten, die halt in diesen Akten stehen, irgendwie nachvollziehen.

02:05:31: Wie machst du das?

02:05:33: Ich lese es halt komplett durch und ich gleich das ab mit A der Tagespresse.

02:05:37: also ich habe irgendwie so ein Running-Documentes geht mittlerweile über Hundertfünfzig Seiten nur mit Pressemeldungen aus der ganzen Welt zu diesem einen Thema.

02:05:46: Also ich guck quasi seit zehn Jahren irgendwie, was ist in der Welt los.

02:05:51: Dann gucke ich, was sich irgendwie halt im Land ändert und dann geht es eben darum, im Endeffekt den Richterinnen und Richtern zu erklären wie groß die Gefahr ist dass wenn diese Person irgendwie zurückgeschickt wird das sie zum Beispiel als Rohingya klassifiziert wird.

02:06:07: Das Interessante ist also auch hier wieder, wie funktioniert der Staat?

02:06:11: Der Staat muss natürlich irgendwie in bestimmten Rechtskategorien denken und denkt aber vor allen Dingen eben ethnische Zugehörigkeit, eine Eindeutigkeit die halt ganz oft so nicht gegeben ist.

02:06:22: Und die Frage ist immer Ist es, ist die Person ruhig oder nicht?

02:06:26: So ne und das ist aber... Da kann man

02:06:29: sich die Schublade packen.

02:06:30: Genau also es gab halt auch wirklich Fälle wo ich irgendwie Fotografien zugeschickt bekommen habe vom Gesicht der Person.

02:06:37: Also so wirklich wie neunzehntes Jahrhundert, irgendwie Seitenansicht vor der Ansicht.

02:06:41: und dann war halt die Frage oder das Angebot, dass sie dann sagen sollen wir ihnen Bilder von der Person irgendwie schicken?

02:06:50: Und man darf quasi den Anwälten das nicht vorwerfen weil es ist im Endeffekt ein Problem unserer Wissenschaft auch oder der Ethnologie konkret, dass wir's nicht geschafft haben dieses Wissen in diesen Bereichen, die halt extrem wichtig sind.

02:07:06: Weil da halt über Menschenleben entschieden wird irgendwie hinzubringen, dass sie eben wissen das man kann ne?

02:07:12: Die ethnische Zugehörigkeit nicht anhand von einem Foto irgendwie feststellen.

02:07:15: Was macht man denn hier?

02:07:16: Will ich gar nicht

02:07:18: sehen?

02:07:18: Also ich glaube meistens, dass sich mir alles kommen weil es ist alles Daten aber ich verwende das natürlich nicht und ich mache mittlerweile ja Forschung zu diesem Thema und schreibe da auch zu, weil weil ich das einfach so spannend finde wie hilflos im Endeffekt der Staat ist mit seinen Instrumenten in Bezug auf Leute, die man nicht so einfach kategorisieren kann.

02:07:39: Und startenlose sind das beste Beispiel für Menschen, die wir nicht einfach kategoryisieren können.

02:07:45: Das heißt der Staat kommt da quasi an seinen Limit und zwar mit allen Instrumente, die er hat.

02:07:51: Weil der Staat halt kategorisiert und auch stigmatisieren will?

02:07:55: Naja bei Asyl braucht es auf jeden Fall diese Eindeutigkeit.

02:07:59: Also du musst halt irgendwie wissen, stimmt es oder nicht so.

02:08:02: Aber ich bin quasi nicht in der Lage zu sagen ja das ist so oder das ist nicht so sondern ich sage eher Es ist gar nicht wichtig ob die Person wirklich Rohingya ist Sondern es geht drum.

02:08:13: was passiert da?

02:08:14: was könnte passieren?

02:08:16: wie plausibel halte ich's dass die Person als Rohingy identifiziert wird in dem Moment wo sie über die Grenze geht und das ist quasi die Ethnicität wirklich funktioniert.

02:08:27: Ethnicität ist nicht, dass was im Pass steht sondern Ethnicitet ist das, was im Endeffekt ausgehandelt wird an der Grenze.

02:08:34: Du versuchst dich quasi in die Grenzer oder die diesen quasi... Ich

02:08:38: versuche die Plausibilität quasi festzumachen anhand dessen, was ich über mir einmal weiß und anhand dessen wie ich weiß, dass eine Person mit der Lebensgeschichte, die ich in dieser Akte her habe, quasi vor Ort in ein bestimmtes Raster eingeordnet werden wird.

02:08:54: Und dann ist es halt so, wenn ich sage die Gefahr ist viel zu groß das Diss und Diss passiert.

02:08:59: Dann ist es Gott sei Dank so dass die Staaten ja dazu verpflichtet sind die Personen zu schützen weil man darf sie halt nicht ausliefern.

02:09:06: Wenn die Gefahre zu hoch ist dass jemand halt sofort an der Grenze zum Beispiel wie jetzt in Myanmar eingezogen wird verhaftet wird oder halt eben jetzt gerade in diesen aktiven Bürgerkrieg geschickt wird Und das funktioniert.

02:09:19: Das finde ich halt total toll, weil ich da zum Beispiel so die direkte Anwendbarkeit von der Ethnologie irgendwie sehe.

02:09:26: Kannst du denn... Wenn du gibst es irgendwann beim Gericht ab da?

02:09:29: Ja

02:09:29: genau.

02:09:30: In

02:09:30: Großbritannien verfolgst du dann auch nochmal den Fall?

02:09:32: Ja ja also ich habe immer die Abmachung mit dem Anwaltskanzlein dass sie mir quasi die Richterentscheidung irgendwie zuschicken sollen.

02:09:39: Du fällst auch keine Entscheidung, aber du hast wahrscheinlich immer eine Tendenz im Sinne von okay das ist plausibel oder sehr plausibel?

02:09:45: Ja ja, das schon!

02:09:47: Und der Richter-Richtern folgt der auch der Einschätzung...

02:09:51: Das kommt drauf an.

02:09:52: also was ich halt eben toll finde es dass ich gelernt habe über den letzten zehn Jahre dass die Richta quasi in einer logischen Argumentation in der Sache folgen können Also das Ernst nehmen und auch umsetzen, aber dann halt in den Entscheidungen sozusagen wieder gezwungen sind.

02:10:09: In ihre kategorisierende Rechtssprache zu verfallen was aber dann okay ist weil im Ergebnis haben sie trotzdem gehört was ich gesagt habe.

02:10:18: Verstehst du?

02:10:19: Es sind einfach unterschiedliche Logiken die da irgendwie rein spielen und es ist aber total spannend zu sehen dass es ein Spielraum gibt Gott sei Dank bei unabhängigen Gerichten wo die Richter in der Lage sind so eine logisches also auch etwas zu lernen.

02:10:31: im Endeffekt Man muss Leute einordnen.

02:10:37: Weil zum Beispiel in der Flüchtlingsdefinition musst du halt, kann jemand quasi nur geschützt werden?

02:10:43: Wenn er entweder aufgrund seiner Rasse, seiner politischen Einstellung, seiner religiösen Zugehörigkeit, sozialen Tätigkeit

02:10:49: usw.,

02:10:50: also der muss quasi in den Rasten eingeordnet werden, sonst greift der Schutz nicht.

02:10:54: Aber ich kann denen in diesen Gutachten erklären das vor Ort die... die Interpretation der Andere sein wird.

02:11:01: Die haben ein anderes Raster

02:11:02: als wir?

02:11:02: Ja, eine andere Raster beziehungsweise... Genau!

02:11:06: Die Gefahr ist einfach viel zu oft zu hoch, dass die Person halt so klassifiziert wird, egal ob sie es ist oder nicht und das finde ich gut, dass man da irgendwie drauf hören kann in einem europäischen Gerichtskontakt.

02:11:18: Ich

02:11:18: frag mich ja, wenn das nicht weiß, aber unser BAMF führt hier die Asylverfahren durch oder die Entscheidung, holen die auch ethnologische Argumentationen ein

02:11:29: Ganz, ganz selten.

02:11:31: Das ist ein anderes System und da bin ich aber halt... Also das ist auch Teil der Forschung die, also ein Teil meiner Forschung ist auch in Deutschland.

02:11:39: Ich forsche nicht zu Deutschland, ich forsche in Deutschland als zum Thema Staatenlosigkeit gerade weil dann großes Interesse von Seiten der Staatenlosen sind dass bestimmte Dinge anders geregelt werden.

02:11:50: Zum Beispiel gibt es kein Verfahren indem Staatenlusigkeit festgestellt wird in Deutschland, d.h.

02:11:55: jede Behörde wurscht irgendwie darum Und versucht irgendwie, und du hast halt wenn du startenlos bist.

02:12:03: Teilweise von Sachbearbeiterinnen zu Sachbearbeitern irgendwie andere Entscheidungen weil das Wissen über was ist Startenlosigkeit eigentlich so geringe ist?

02:12:11: Ich mache gerade Feldforschung mit NGOs und mit Staatenlosen in Europa auch in Deutschland die versuchen quasi dieses Wissen was es bedeutet startenlust zu sein in den Ministerien sozusagen neue Verfahren irgendwie zu etablieren, die Deutschland halt nicht hat.

02:12:29: Was verstehen wir da unter stattenloses?

02:12:31: Stattenlosigkeit

02:12:34: ist ein Mensch der von keinem Staat als sein Bürger anerkannt wird.

02:12:40: Also keinen Staat sagt irgendwie ja, er gehört zu uns.

02:12:44: Das nennt sich

02:12:45: zum Beispiel einen der größten stattenlosen Gruppen.

02:12:47: oder Rohingya oder Kurden aus Syrien.

02:12:50: genau Ganz viele unterschiedliche Gründe, warum jemand startenlos werden kann.

02:12:56: Als diese Witte nun zerfallen ist zum Beispiel oder Jugoslawien hat das ganz viele startenlose produziert immer dann wenn quasi neue Grenzen gezogen werden.

02:13:04: Nationalstaaten entstehen keine Ahnung Sudan Südsudanen sich starten aufs Blitten Aber halt auch so Gründe wie Krieg, also Kinder die auf der Flucht geboren werden und der Vater ist nicht da.

02:13:18: Das Kind kann startenlos werden wenn der Vater zum Beispiel genau tot ist oder halt nicht auffindbar und dass die Mutter aus einem Land kommt wo die Staatsangehörigkeit nur über den Vater vererbt wird, Syrien zum Beispiel.

02:13:32: Und wenn die Kinder halt auf der flucht geborenen werden oder halt auch in Deutschland dann sind sie stattenlos Die meisten Leute die stattenlose sind Die sind aber nicht geflüchtet, sondern die kommen aus dem Land in dem sie stattenlos sind.

02:13:45: Auch in Deutschland.

02:13:48: Das finde ich total spannend weil eigentlich denkt man ja das darf es doch gar nicht geben.

02:13:53: so also wie kann quasi in der Welt von Nationalstaaten das überhaupt noch ein Thema sein?

02:13:58: und das Phänomen wird aber immer größer.

02:14:02: Also die UNO hatte vor elf, zwölf Jahre eine Kompagne, dass sie innerhalb von zehn Jahren Staatenlosigkeit abschaffen wollte.

02:14:10: Das hieß iBeylong-Campaign und dann war irgendwie die Zeit um und jetzt haben wir halt ne neue Kampagne und die Zahlen werden halt nicht kleiner.

02:14:19: Die werden aufgrund von ganz unterschiedlichen Dingen irgendwie größer.

02:14:24: Eine harte Frage aber wer hat Interesse daran?

02:14:28: Oder welche Staaten Herrschaftssysteme haben wir Interesse dran das es bei den Staatlosigkeiten gibt?

02:14:33: Ja, also ich würde es jetzt ethnologisch beantworten.

02:14:38: Also das ist quasi ein Forschungsprojekt, das ist im Laufen und das heißt, ich bin auf Hypothesenebene, das sind keine fertige Forschungen sondern ich bin da auch noch im Nachdenken.

02:14:50: aber für mich ist es so dass ich nicht denke, dass Staatenlosigkeit einfach nur ein Fehler ist den man irgendwie beheben könnte Und dass man nur Staaten dazu kriegen müsste, dass hier irgendwie die Leute einfach naturalisieren oder Einbürgern.

02:15:05: Oder die Kinder, die hier geboren werden direkt eine Staatsangehörigkeit geben oder so.

02:15:10: Es ist keine Anomalie

02:15:12: und es ist ein Fehler.

02:15:14: Genau also ich würde das als einen strukturellen Mangel bezeichnen Auch wiederum quasi was, was nicht bewusst ist und wo nicht irgendwie eine Person entscheidet oder einen Hebel umlegt.

02:15:26: Aber es ist ein Staatseffekt.

02:15:28: Es gibt dieses Konzept von Staatsefekten von Timothy Mitchell.

02:15:32: Das ist ein altes Buch.

02:15:33: Das finde ich immer noch ganz gut weil gar nichts so klar ist.

02:15:37: natürlich, was ist der Staat denn eigentlich?

02:15:39: Du kannst natürlich immer juristische Definitionen und du kannst im Gesetz nachgucken drei Elementelehre und so, Staatsgewalt, Volksstaatsgebiet.

02:15:48: Aber was es eigentlich genau ist und wann es ist, wer sagen kann dass er es ist.

02:15:53: Das sind Dinge die wir in der Ethnologie halt irgendwie die ganze Zeit diskutieren Und ich versuche quasi über das Phänomen Staatenlosigkeit neu zu diskutieren.

02:16:04: Also ich versuch quasi über Staatenlösigkeiten einen neuen Blick auf den Staat Zu erschließen wo Staaten-Losigkeit nicht mehr nur ein Problem ist was man lösen muss sondern im Endeffekt Teil des Systems im Sinne von das Staatenlose immer die Ultimativ anderen sind.

02:16:22: Und dass du halt auch wieder hier Grenzziehung und so, dass du immer das Ultimative andere irgendwie brauchst um dich deiner selbst zu vergewissern.

02:16:33: Und nochmal, ne?

02:16:34: Das ist jetzt nicht irgendwie eine Person, die sagt, so machen wir es jetzt oder da gibt's kein Gremio und das ist beschlossen hat oder so.

02:16:40: aber das ist ein Effekt des Systems Staatlichkeit für mich.

02:16:44: Ansonsten hätte man das Problem schon längst lösen können.

02:16:47: Wenn es eins wäre, was man einfach lösen will oder so.

02:16:54: Aber da gibt's jetzt keine Akteure die da aktiv Interesse daran haben, sondern es ist ein Effekt der durch den Staat kritisiert

02:16:59: wird.

02:16:59: Hat sich die DDR nicht auf ihre Bürgerdingen herausworten?

02:17:02: Einfach mal ausgebürgert?

02:17:04: Oder ist das nochmal etwas anderes dieses Ausbürgerung?

02:17:06: Also Ausbürgarum ist...

02:17:09: Was aber nur Passwerte genommen oder sowas?

02:17:11: Genau und das passiert ja jetzt auch Nicht zunehmend, aber doch eigentlich finde ich das ist zunehmbassierter.

02:17:17: Ich lese zunehnend über entweder die Androhung, dass man Leuten in der Staatsbürgerschaft entzieht oder den Faktor, dass Leute die Pässe wegnehmen oder einfach die Dokumente nicht verlängert oder mit dem Gedanken spielt irgendwie Gruppen auszubürgern und so was eigentlich gesetzlich verboten ist.

02:17:35: also du darfst niemanden aktiv Ausbürgern, wenn der dadurch startenlos wird.

02:17:40: Es gibt zwei UN-Kommission zum Schutz gegen Startenlosigkeit.

02:17:44: Also es gibt ganz viel wiederum Gesetze und Regelwerk

02:17:47: usw.,

02:17:48: aber trotzdem besteht dieses Phänomen weiter und das wird aus unterschiedlichen Gründen gerade größer.

02:17:54: Und Ausbürgerung ist im Endeffekt halt ein hartes politisches Instrument.

02:17:59: Die Nazis sind ja auch die Juden startenlose gemacht?

02:18:02: Genau!

02:18:05: Jüdinnen und Juden startenlos gemacht.

02:18:07: Und

02:18:08: das

02:18:08: kann man bei einer Ahren irgendwie schon sehr gut nachlesen, dass quasi ... Das startenlose machen sozusagen die Vorbereitung war um halt... Die Menschen zu entmenschlichen so dass du dann mit ihnen halt machen kannst was du willst weil sie sind keine mehr wie jetzt

02:18:21: bei dem Wien

02:18:22: Wie zum Beispiel bei den Rohingya.

02:18:23: genau Ja

02:18:25: Gibt es da irgendwo?

02:18:27: An irgendeinem anderen Punkt in der Welt ist auch gerade gefahren die wir noch nicht sehen

02:18:31: Überal wo die Dynamik haste überall auf der welt.

02:18:36: Die Dynamik hast du überall auf der Welt.

02:18:37: Ich kann dir hauptsächlich jetzt quasi zu den Gruppen was sagen, zu denen ich arbeite und... ...ich arbeite halt viel mit Leuten gerade in Deutschland auch, ne?

02:18:47: Und das ist auch ein Problem, was wir in Deutschland haben.

02:18:49: Es ist halt ein kleines Problem im Sinne von es sind nicht viele Leute deswegen wird's nicht sehr wahrgenommen obwohl die ganz tolle Öffentlichkeitsarbeit machen und mittlerweile irgendwie guten Draht sozusagen in die Ministerien und so.

02:19:02: aber Ja, also es ist kein einfaches Problem was sich lösen lässt und das ist Teil auch warum meine Feldforschung sehr schwierig ist.

02:19:12: Weil man mit extrem präkarisierten Menschen arbeitet die über die die ganze Zeit gesprochen wird und die aber selber sprechen wollen Die die ganze zeit quasi vor der Verwaltung irgendwie Scheitern dabei immer wieder hin müssen aufgrund von eben diesen ganzen problemen mit Dokumenten keine Dokumente haben usw.

02:19:34: Und deswegen ist es keine einfache Forschung.

02:19:36: Aber ich finde das halt super spannend, eben weil es eine Möglichkeit ist dieses Konzept Staat irgendwie anders zu denken.

02:19:45: Du musst mal wiederkommen?

02:19:46: Wenn wir jetzt was feiner im Stuhl geredet?

02:19:49: Ja gerne!

02:19:49: Zeit geht rum.

02:19:51: Vielleicht aber nochmal bei den Staaten waren... Alles geht irgendwann mal vorbei.

02:19:57: Alle Konzepte werden irgendwann mal über Bord geworfen.

02:20:01: Das Ende von Überwindungen von Staaten erleben.

02:20:06: Also vielleicht weh bei dir nicht, aber ist das denkbar?

02:20:11: Denkbar.

02:20:11: Ist alles beim Menschen irgendwie sehr innovativ sind, aber gerade bei der Kategorie Staat was ja eine Rezent- also Ratswahl als Nationalstaat muss man sich halt im Klaren sein, dass es eigentlich eine recht rezente Erfindung, ne, Ninzehntes Jahrhundert.

02:20:25: Das ist halt so ein Erfolgsschlager anscheinend, dass wir irgendwie gar nicht mehr drum rum oder außerhalb dessen denken können.

02:20:33: Es gibt ganz tolle historische Forschung irgendwie zu Menschen wiederum, also viele in Asien und so die sich halt dem Staat entziehen aktiv wie das früher gewesen ist.

02:20:43: Die Ethnologie hat im Endeffekt mit der Forschung von staatenlosen Gruppen angefangen.

02:20:48: Also in Afrika das ist halt auch die Vorstellung von meinem Buch dass ich nochmal die klassischen ethnologischen Texte anschauen möchte weil da das war alles staatenlos.

02:20:58: Der Staat war erst nicht da und dann war er dann aber da umso mehr.

02:21:03: Aber das ist wie gesagt, der Staat ist ein absoluter Kassenschlager.

02:21:07: Der ist überall und er ist so naturalisiert im Sinne von dass wir gar nicht mehr drum rumdenken können.

02:21:14: Solange es Herrschaft gibt, oder

02:21:16: was?

02:21:18: Jeder Stadt ist ja ein Herrschaftssystem!

02:21:20: Ja, aber ich glaube wirklich so diese Figur des Nationalstaats irgendwie.

02:21:25: Also mit seiner Flagge und der Hymne... also wer gehört rein?

02:21:30: Wer gehört raus?

02:21:31: Die ganzen Erzählungen drumrum oder so.

02:21:33: Aber

02:21:33: es gibt auch Staaten die binational sind.

02:21:35: Es gibt ja viele Völkerstaaten heißt das immer so schön.

02:21:39: Belgien ist ein binationaler Staat Muss ja nicht immer an die Nation

02:21:42: gekoppelt sein.

02:21:43: Ja, das muss nicht an eine Nation gekopbelt sein oder vor allen Dingen nicht an einer ethnischen Gruppe.

02:21:47: Also da hast du natürlich ganz viele unterschiedliche Versionen aber das Konzept start als solcher.

02:21:52: Du hast ne Grenze drum rum und man weiß wer rein- und wer rausgehört und so.

02:21:58: Das sehe ich leider irgendwie nicht.

02:22:00: dass sich das ändern wird in nächster Zeit.

02:22:04: Ich hab ja noch nicht nach absehbar gefragt sondern... Das Jahrhundert ist nur lang.

02:22:08: Mutopisch.

02:22:09: Die Menschheit überlebt.

02:22:10: hoffen wir noch ein paar Jahrtausende?

02:22:13: Keine Ahnung, das weiß ich nicht.

02:22:16: Das ist keine ethnologische Frage.

02:22:17: dann musst du wahrscheinlich...

02:22:19: Ich wollte es probiert haben.

02:22:21: Hätte sein gehabt, dass immer drüber nachgedacht ist.

02:22:25: Judith, das war super spannend!

02:22:26: Ich hoffe unserem Publikum hat's auch gefallen.

02:22:29: War mal was anderes und kommen irgendwann nochmal wieder.

02:22:33: Ich glaube die Themen werden uns nicht ausgehen.

02:22:35: Und danke für eure Aufmerksamkeit, danke für eurer finanzielle Unterstützung.

02:22:38: Ohne euer Geld jeden Monat würde das hier alles nicht möglich sein.

02:22:45: Danke auch, dass ihr mit eurem Steuergeld so eine Forschung finanziert.

02:22:52: Unikonstanz.

02:22:53: Obwohl es Geld wahrscheinlich aus dem Bundesland hauptsächlich kommt.

02:22:58: Musst du Drittmittel einholen und so?

02:23:00: Bist du da auch angewiesen?

02:23:02: Naja, ich hatte dieses Myanmar-Projekt war tatsächlich irgendwie deutsche Forschungsgemeinschaft.

02:23:07: Gemeinschaft!

02:23:09: Deutsche Forschungsgemeinschaft genau.

02:23:11: Ich bin nicht verpflichtet aber natürlich wenn man große Forschung machen möchte dann hilft Geld.

02:23:16: und vielleicht letzte Frage wo soll es als nächstes hingehen wenn Du das aussuchen könntest

02:23:20: Dann wieder zurück nach Myanmar, also in dem Moment wo ich sicher zurück kann und niemanden dort gefährdet und selber nicht gefährdet bin gehe ich zurück.

02:23:27: Da wünsche ich dir toll, dass es hoffentlich bald klappt.

02:23:30: Danke Judith!

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